Druckschrift 
3. Th. (1715) Deme zum Beschluß, Ein bewährtes, meistens aus eigener Erfahrenheit, und unterschiedlich-practicirten Manuscriptis, wohleingericht- sehr nutzliches Koch-Buch beygefüget ist In welchem, gantz besondere zu diesem Zweck, sehr curiose Materien, deren man sich, mit grossem Nutzen, und seiner Vergnügung bedienen kan, enthalten ...
Entstehung
Seite
312
Einzelbild herunterladen
 

ZI2

Des Adelichen Land-und Feld-Lebens.

zu gehalten werden/ welches dann die rechte Figur ei- um mit Aestcn wol versehen ist / und auf solche Ma-ttes Zwerg-Baums ist/ daß solcher niedrig von Aesten/ nier soll ein Zwerg - Baum gehalten und geschnittenoffen in der Mitten/ und in seinem Umkreiß rings her- werden.

v.

Wie die Zwerg -Bäume vor der Pftantzung/ so wol an der Wnrtz e! /

als an dem Stamme geschnitten werden; Item alle Wurtzeln zu erkennen/ wel-che gut oder böß/ auch warum ein Baum an der Wurtzel und Stam-me geschnitten werde.

S ist inWahrheit eine nothwendigeWissen-schasst/ daß ein Baum vor derPflantzung sowol von der Wurtzel als an dem Stammerecht geschnitten werde/ und hierzu ist nöthig / erstlich:

Alle Wurtzeln zu erkennen/welche gut oder böß seynd;

Die gröste unter den jüngsten seynd allezeit die besten/sonderlich wann sie oben bey dem Stamm stehen / se-hen'etwas hell oder liechr aus/ und haben einen frischenund lebhaffrenAspect: diese/ weilen sie von den grö-stensind/ werden geschnitten s.6. biß?. Zoll lang /nach propo-tion ihrer Grosse; Neben diesen Wur-tzeln finden sich noch kleinere/ welche auch aus der altenWurtzel kommen/sehen etwas Heller aus als die an-dern/ sind auch mcht so hart an der Schalen oder Rin-ds / unter welchen auch die allerkleinste zu verstehen /und diese werden nich« langer gelassen als 2. z .biß 4.

Zoll/wie viel aber von solchen Wurtzeln einem Baumgelassen werden/ist leicht zu wissen/sintemal demBaumsolche gute Wurtzel gegeben wird/damit sein>sasst ver-mehret/so viel er nöthig hat; Melde hier auch nicht/daßsolche Me Wurtzeln gar hinweg sollen geschnittenwerden / als wovon wir hernach weiters reden wollen:

Sondern reden anjetzo von denen Wurtzeln/welchegeschnitten werden müssen. Nun finden sich ohnediese/so allbereits gemeldet/ nochzweycrley/ welche ausden eystern heraus wachsen.

Erstlich/etwas starcke/welche zwar nicht Anfangskleine Faserlein/ aufdem Ende aber mit denselben ver-sehen lind ; Die andere aber haben gleich Anfangsviele deren kleinen Faserlein. Die ersten / so etwasstarck sind/werden ein biß zween Zoll und nicht längergelassen (wann anders der Baum nicht viel Wurtzelhat/) sonsten werden sie gar abgeschnitten an demOrt/wo solche hervor kommen. Die andere/welchegleich Anfangs der Wurtzel mit kleinen Fäserlein ver-sehen/werden sammt den Faserlein'hinweg geschnitten/selbige wachsen auch aus den alten Wurtzeln / welchegleichfalls hinweg geschnitten werden müssen.

Es finden sich auch Wurtzeln / welche Anfangsschwach öder klein bey dem Stamme sind/und fangennach und nach an entweder dicker zu werden / solcheaber müssen / wo sie dünn oder schwach sind / ebenfallsabgeschnitten werden. Dieser kan für den Baumgehalten werden/ der Anfangs bey dem Stamme sol-che starcke junge Wurtzeln/wie oben gemeldet / stehenhat/sonderlich/so deren drey biß vier rund in dercir-sumtel-cncs stehen / Übrigens werden die anderen alle/1sammt den alten Wurtzeln/hinweg geschnitten / und!

wann auch gleich nur zwo gute Wurtzeln stehen blie-ben. Es ist ein grosser Unterscheid so wol am wach-sen als Früchte tragen; Es ist genug und besser/ so eineoder zwo junge starcke Wurtzeln oben beym Stam-me stehen / als sechs und mehr der andern/ so untenan der Wurtzel sich befinden / wann aber keine solcheWurtzel bey dem Stamm anzutreffen wäre / dannmüssen nothwendig die/so aus der alten Wurtzel ge-schlagen haben/gebrauchet/ un muß nur dieses dabey inAcht genommen werden / daß alle die kleinen Wur-tzeln gantz kurtz geschnitten werden müssen / zu verste-hen an jungen Bäumen/von zwey biß vier Jahrenalt/ so aufQuitten-JohanneS-und Pflaumen-Stäm-men stehen; Hingegen aber die Kirschen/Apricot/undPfersich/ welche auf ihre eigene Alter gebracht wa-ren ; Oder die zwey letztere auf Mandel-Srämmenstünden / müssen die starcken etwas kurtz / die andernNeben-Wurtzeln aber stehen und langer gelassen wer-den.

2. Was den Schnitt/so an der Wurtzel geschehenmuß/betrifft/ so muß derselbe allzeit unter sich nachder Erden stehen; Oder/ deutlicher zu geben / wannman die Wurtzeln an einem Baum schneiden will/ sowird der Stamm sammt den Aesten unter sich / dieWurtzel hingegen über sich gehalten / und alsdanngeschnitten/ so kommt der Schnitt in die Erde himin/welches nützlicher/ als wann die Erde auf dem Schnittsich befindet.

Nun folget/wie die Zwerg-Baume an dem Stackbeschnitten werden müssen; Hier wäre zu wünschen/daß alle Zwerg-Baume/die gepfiantzet werden sollen/nur einen Stamm hätten/wie es dann auch billig seynsoll/so würde man solches bald begreiffen/ und wannselbige so seynd/verstehe mit einem Stamm/ werdensolche nicht langer als einen Schuh lang gelassen; wei-len es sich aber offtermals begiebet / daß bißweilenzween auch drey und mehr Stämme seynd / so ausdemAug oder Gepfropssten gewachsen/ muß hierinnenein Unterscheid gemacht werden / nemlich wann derStämme zween waren / beyde gleich dick / so könnensolche alle beyde stehen bleiben/und biß acht Zoll langMassen werden; Wann der zween waren/ davon dereine schwach/wäre nicht rahtsam diesen stehenzulas-sen ; So aber drey biß vier aus dem Aug gewach-sen seynd/ so ist wol darauf zu sehen/ welcher den bestenSafft ziehen kan; Dann/ein Ast/ welcher starck/ undzugleich eine junge Rinde hat/solcher bleibet stehen/undwerden nicht mehr als zwey solcher Stämme gelassen/

Die

^ .