Druckschrift 
3. Th. (1715) Deme zum Beschluß, Ein bewährtes, meistens aus eigener Erfahrenheit, und unterschiedlich-practicirten Manuscriptis, wohleingericht- sehr nutzliches Koch-Buch beygefüget ist In welchem, gantz besondere zu diesem Zweck, sehr curiose Materien, deren man sich, mit grossem Nutzen, und seiner Vergnügung bedienen kan, enthalten ...
Entstehung
Seite
311
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Dritten Theils Vierdteo Buch.

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Stöcken und gezamten Weyden eingcfassct/und für ren des Jahrs/ nemlich im Herbst und Frühling/dem Emfall der Erde verwahret / zu gewissen Zei-! ausgeräumet und gesmibert werden.

iv.

Von den Zwerg-Gaumen; Und zwar warum selbige geschnitten

werde»/ und zu welcher Zeit solches geschehe/was eigentlich schneiden sey/ unddann auf waövoreme Manier man schneide.

Je heutiges Tages in Übung gekommene/undso genanteZwerg-Bäume/ von denFrantzosenOrdres nain8,sruilicrs er, öuisgyn,oderPusch--Baume/ also geheissen/wegen ihrer niderstammigenForm / welche rund ist / und bey dieser Kugel-Formdurch die Scheer allezeit muß erhalten werden/ ist wür-dig allhier ausführlich vorgestellet zu werden.' Undzwar dienet allhier zu erörtern/ warum diese Zwerg-Baume geschnitten werden/zu welcher Zeit solches ge-schehe / was eigentlich Schneiden seye/ und dann aufwas für eine Manier man schneide.

i. Warum die Zwerg-Bäume geschnitten werden/werden dreyerley Ursachen angezogen : i) Weilender Baum durch das Schneiden gezwungen wird/weit mehrere/grössere/ bessere/und vollkommenereFrüchte hervor zu bringen / Mehrere: Weilen dem-selben durch sothanes Schneiden die bösen Aestebenommen/ und die guten hergegen vermehret werden;Grössere/ weilen er durch besagtes Schneiden gestar-cket/ krasstiger/und alle Jahr Erneurung davon em-pfindet ; Bessere/ weilen solchekurtz bey der Erden vordem bösen rauhen Wind beschützet/ und die Sonnen-Würckung alsdann vollkommener haben können/demjuFolqe dann auch die Früchte besser/ schöner und voll-kommener sich zeigen. 2) Daß der Baum durch dasSchneiden viel manierlicher insGesicht komme/als der/so niemahlen beschnitten worden / dieweil durch dasSchneiden die Figur des Baums gemacht werdenmuß. z) Wird ein Baum darum geschnitten/daß erdardurch langer lebe/ und standhaffriger bleiben kan/sintemahl es eine sonderliche Art Baume / welche aufkurtzen Stämmen stehen/ und daher auch niedrig ge-halten werden wollen; dann das Schneiden ist nichtnur allein nöthig/ sondern auch nützlich / und eine cu-riose Wissenschasst/ dann durch dasselbe vermehren sichdie Aeste/ als welche den Baum figurirm/und die Ge-stalt geben müssen. Solche Aeste aber sind vielerlei) /als grosse/kleine / lange/ kurtze/ starcke/schwache /gute und böse/ ein jeder hat seine Ursach/ den einenkurtz zuschneiden / den andern lang zu lassen / einenweg zu schneiden/ dem andern seinen Platz zu vergön-nen. Ein jeder will seine rechte Aufwartung haben/welches wir dann nicht verstehen / fo wir keinen Asterkennen / oder den Unterscheid zu machen wissen / wel-cher qutoderböß ist/viel weniger können wir wissen/welcher geschnitten oder stehen bleiben soll; Warumauch mancher Baum viele / ein anderer wenig Aestehabe/und aus was Ursach einAst groß/der andere kleingeblieben/^solches alles ist nöthig zu wissen/sonstenist es unmöglich / daß wir jedem Ast seine rechte Maasgeben / sintemablen wo solche Erkanntnuß der Aeste

^ nicht ist / da fehlet auch die Wissenschssst / zu welcherdann ohnmogllch zu gelangen/ wann solches nicht vor-her beschrieben oder gezeiget wird. Bin demnachbe-reitwillig solches aufs kürtzte/ so wol Schreiben/ a^in beygefügten Kupffern / denen Liebhabern allesdeutlich vor Augen zu legen / damit so wol eines alsdas andere möge verstanden werden.

2. Anlangend die Zeit/ so kan man schneiden / sobald die Blatter abfallen/ biß sie wiederum anfangenzu treiben/ nehmlich im Winterinonat/ Chrisimonat/Jenner / bie beste Zeit ist im Hornung. D'.e neu-ge-setzte Baume im Neuen / und die Alten im Abnehmendes Liechts/doch mir diesem Unterscheid/daß die jun-gen Baume/welche starcke Aest getrieben / im Abneh-men des Liechts/ hingegen dieAlten/welche nicht starcktreiben/im Neuen Liecht geschnitten werden. DieAspecten oder Himmels-Zeichen anbelangend / wirdauf solche hierinnen nicht gesehen/zumahlen wo derenBaume viel seynd/ da nicht einmahl weder ausAb oderZunehmen des Liechts/viel weniger aufeinigen?ispeclgesehen werden kan.

z, Schneiden ist eigentlich hinweg thun alle Aeste/so nicht gut sind/ mit einer Hippen oder Garten - Mes-ser/welches zwar leicht zuthun/daß man die Aeste voneinem Baum schneide/ aber wie ?

Kora. Es sind deren sehr viel/und der gröste Theilwagen solches in ihrer ungegründetenMeynung/ undschneiden ohne Erkanntnuß d:r Aeste/blind hinein /und treffen zuweilen einen Ast ungefehr/der recht ist /zuweilen geschicht es auch / daß ein?ist an einemBaumbricht/ oben an demOrt/allwo er hatte sollen geschnit-ten werden / oder es kommet shngefehr ein Haas oderander Thier/und frisset einen solchen Ast binweg/ derzuweilen demBaum nützlich wäre/aber solches sind nurlauterzweiffelhasstige Sachen; ÄZir an unserm Ortwollen von solchem Schneiden nicht hören/ so da unge-wiß ist/ sondern die rechte Manier vor uns nehmen /welche darinnen blichet : Daß man zuvordeust alleAeste des Baums erkenne / die Gestalt und Eigen-schafft/ so ein Baum hat/ zu consideriren wisse/ und an-dere dergleichen nothwendige Wissenschafften rneh» /wie anietzo eines nach dem andern mit mehrerem fol-gen wird.

4. Die Manier des Schneidens anbelangend / isteigentlich diese: Daß der Schnitt genau bey dem Auggeschehe / und zwar bey einein solchen Aug / welchesvon dem Baum heraus stehet/ wo der Ast seyn soll;Item/ daß der Baum aufsolche Manier geschnittenwird / daß er seine Aeste auf einer/ wie aufder andernSeiten bekomme/und so er das nicht hat/ muß erdar-

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