Druckschrift 
3. Th. (1715) Deme zum Beschluß, Ein bewährtes, meistens aus eigener Erfahrenheit, und unterschiedlich-practicirten Manuscriptis, wohleingericht- sehr nutzliches Koch-Buch beygefüget ist In welchem, gantz besondere zu diesem Zweck, sehr curiose Materien, deren man sich, mit grossem Nutzen, und seiner Vergnügung bedienen kan, enthalten ...
Entstehung
Seite
141
Einzelbild herunterladen
 

Dritten

Brod/ aber nicht allezeit / auch nicht allenthalben zubekommen / dann osstermals die Würtz und Spece-reyen/ nach Gelegenheit der Zeit/an vielen Orten/inziemlich-theurem Kauss; Es sättiget aber ein Bissen! Würtz-Brod mcht allein/sondern starcket auch mehr/dann drey oder vier Bissen anderes gemeines Brod.VorneMlich aber/ist dasWürtz-Brod im kalten Wet-> ter/denen Leuten die kalter Natur / alt / oder von Un-lüchtigkeit ihres Leibes wegen/ zur Wassersucht genei-! get sind; Jrem/deiren/ so auf den» Wasser fahren/oderkriegen/ nutz und gut. Über das/kan man das Würtz-Brod zum ossrernmal/an starr des Weins (wo dersonderlich /oder wol gar nicht zu bekommen / als imKriege/ aus dem Wasser und bey den weirein Rei-sen/) gar wol und fuglich/um geringern Kosten/ ge-brauchen. ^

27. Unter andern Wurtzen und Specereyen / wieköstlich dieselben auch sind/ hat ohneZweiffel billich denVorzug vor allen diese/deren unser allgemeines / viel-geliebtes Vatm land/das Retck Teuc-sch r Marion / durch GOttes Gnad und Seegen/ein stattliches Einkommen hat / nemlich des S»ty.s/dessen herzliche Nutzbarkeiren nicht Zenug auszuspre-chen. Darum es auch der Griechische Poi-rlkuinc-rus,Göttlich/ der hochweiseaber/Gattes-Lieb nennet/daß/ wie auch der Naturkün-diger ?>>nius bezeuget/GOtt kein Opsser/wie köstliches auch/wann nichr Saltz darbey gewesen / gefallen:Und daß die Opsser / welche mir Saltz bestreuer/glerchals unsterblich / vor allem Verderben/ sicher seyn.Welches dann gleichfalls im Gesätz Mose/dem ÄolckGOttes/bey ihren Opssern unverbrüchlich zu halten/hart geboten. Auch rühmet der HErr Christus / desSaltzes Herzlichkeit nicht wenig/ da Er spricht: DasSaltz ist ein gur Ding / wann es aber rhum wird/womit soll man saltzen ? Darum hie ferner darvonzu reden/unvonnörhen.

28. Allhier müssen wir auch einmal auf andere Ae-cker spatzieren gehen/ dann das Brod / jo aus Wur-tzeln/ Suckel-Ruben/ Möhrn/ Pastinacten/ ist nütz-lich/und dem MenMchen Leibe bequem; Als kön-nen arme Leute / auch von den Rüben. Item / vonPeterstlgen/Merrettich/Rettich /Zwibeln und der-gleichen/ Brod machen. Auch ist bey uns Rüben-Brod/ nemlich aus Rüben/ so zuvor gewelckr/ darnachgekocht / mehrmals hin und wieder gebacken / gurbefunden worden. In der Schlesien / auch an an-dern Orten / ist es gleichfalls im Brauch kommen/nemlich von halb Meel und halb Raben. So sagtman es auch für eine gewisseWahrheir/daßAnn. 1672./die armen Leute in Schwaben/eben dergleichen geba-! cken haben. Es ist auch an etlichen Orten dem Land-

Volck / was massen aus Rüben / Brod zu backen/ öf-fentlich vermeldet und angezeiget worden / dann dieNatur will erhalten seyn / und sollte sie auch gleichHoltz oder Steine essen. Dis Brod aber/ wird zugemessen gesünder seyn/wann man Kümmel / Änißoder Feld-Kummel darein thut.

29. Aus Schwertel-Wurtz/ so wol der gemeinen/als der echten/ so m Gatten gezeuget wird. Item/wildViol-Wnrtz undRohr-Wurtz/,st gleichfalls ein gut

6 Drittes Buch. 147

gesundes Brod zu machen. Also möcht einer/ von bey-der ArrViol-Wurtz/einschmackhasstiges / hitzigesBrod / welches auch wol sättiget/ machen. Man tanauch/ im Fall der Noth / ohne besondern Kosten/ vomGerörrich / so m den Wassern und Seen wachst / einhübsches weisses Brod / welches auch nicht übel sät-tiget/ zunchren. Welches dann/beneben viel andern/auch allererst/durch GOttes Gnad / neulich erfundenworden.

zo. Krauter-Brod / ist mehrentheils ein Artzney-Brod. Als von Wegwarten/Saurampffer/ Sca-biosen-Kraut/ Mangolr/ Kohl/ Ochsen-Zung/ Larrig/und dergleichen nützlichenKräutern/welche zum öftremhungenge Leure auch roh alleme essenmüssen; Sindauch / wann heffrige Seuchen regieren / am gesünde-sten.

z i.Aus Blättern und Laub von frischen Bäumen/insonderheir aber von Biem- und Aepssel-Bäumen;Item von trächtigen Wein-Reben/ oder auch mun-versehener allzuhesstiger Theurung / von Buchen undEychen-Laub/grün/oder gedörret/ zerknirscht/ oderaus einer Mühlen gemahlen/kan manauch wohl Brodmachen; Und ist solches so ungebraucht ch/ oder derMenschlichen Natur so gar entgegen nicht / weit sichzu mel^l malen begiebt / das; man Noth-halben / auchgar nutzliche Artzneyen / für krancke Leut / aus diesenund dergleichen machen und zurichten muß. Daher»vor Zeilen noch geschehen/daßdiearmen Leuten,theu-ren Iahren/das MgeEychen-Laub und Sommer-Letten gekocht/und gegessen ; Auch etliche arme Kin-der / nnt Blühr-Knöpssen und unzeitigen Holtz-Aeps-feln/und Feld - Birn/ sich des Hungers erwehrerhaben.

Z2. Es haben auch unlängst die armen Dorff-Leure/ihre hungrige ktemeKinder/mit Heu/ Gnimmer unddörrem Gerräurig/welches sie darnach gekocht/ernäh-ret/und von dem Hunger eryalten.Dergleichen schrei-bet , daß in Belagerung derSradt Jerusa-lem vorgegangen. Darum last uns GOtt sürchten/und fromm seyn/auch ron Hertzm bitten/dasj er sol-che schröctliche Strassen gnadigst von uns abwendenwolle.

Wie aber dem allem so sehen wir für rathsamer an/daß man in dergleichen Nothfallen/ein gutes frischesHeu aus einer Mühlen mahle/und alsdann dieses/un-ter anderes gemeines Meel mengete / damit es derMenschlichen Natur nicht so gar zu wider und ab-scheulich wäre/auch den, Leibe etwas mehr NahrungMittheilen könnte. Dieses sind also die sürnehmstenArt Brod / so man aus Wurtzeln und Kräutern/(GOtt dem Allmachtigen zu förderst/darbey Lob undDanck zu sagen/dann auch unserer und anderer Leu-te Leben dardurch vor/ derschröcklichen Hungers- Ge-walt zu ftisten) machen tan.

z z. Das Wein-Brod wird also gemacht: Wannman ein- oder mehr Maaß Wein / nach dem jeder dasBrod gerne wolr hitziger oder stärcker haben / unterdas Meel/ so man brechen will / mischet. SolchesBrod/ kan man eigenrlich und wol an starr desWems/wo sonderlich derselbe/ wie an vielen Orren/fürnemlich aber in dem Mitternächtigen Landern/

SZ ^ theuer