Des Adelichen Land- und Feld-Lebens
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ckenden Hoffartk Es gibt unter den alten Runck-Kunckeln und Wittwen deren auch/ welche/ob sieschon alte Murmel-Thiere / die keinen guten Zahnmehr im Maul haben / unterm Gesicht abscheulich/und runtzlicht/ an-Handen räudig und fchabicht/auf dem "Kopff greiß-grau und silber-farb / jedan-noch die Hoffart / das Schmincken und Schmier-Werck ihnen belieben lassen/ das Angesicht färben/die Hände anstreichen und glatt machen / die Haarmit bleyemenKämmen strahlen/um sie dadurch schwarzzumachen/ und sich herausstreichen/damit sie den Leu-ten die Nase verdrehm/und die Augen vergleistern/daAsie meynen sollen/ es sey noch was schönes undjunges. Und heist recht mit ihnen / wie weylandLrsßvrius 5ig?isn?cnuz von dergleichen einer saget:
Lxtcrnö tlclensm» intern^ ttccudsm rsfert. Das
ist: Von ausienher scheinet sie/ wie die schöne »c-!-n«>. innwendig ist sie/ wie die verfluchte »-cuba.Was thun aber solche alte Trosseln anders / alswann sie einen Toden-Kopff mit ihrem Schmier-Werck anstrichen / und demselben ein glatt Gesichtwachsten; Dann/ da ihr Gesicht einem Todten-Ge-sicht ähnlicher/als einem recht- lebendigen Menschen-Geslcht; Ist demnach wohl zu erbarmen/ daß solchealte Ziegen/ so mit einem Fuß bereits in dem Grabstehen/ mit ihrer Schmier-Büchsen noch sollen fürdem Spiegel stehen / und ihre Runsteln verglatten/da sie besser thäten/ wann sie die Sterb-Kunst/ alsden rechten Todten-Spisgel/ vor sich nehmen/ undsehen/ wie sie ihre S^l schön machen-und mit Eh-ren zur Gruben könnte gebracht werden. Pfui derSchande! Pfui der stinckenden Hoffart! Ferner sollden Mägden dasAusspatzieren auf andere Dörffer/über Feld / zu der Kirchweyh / Tantzen / in fremdeGärten / in den Wald/zu den kühlen Brunnen/ son-derlich mit verdächtiger Gesellschafft / an verdächtigeOerter/ nicht verstattet werden: Dann/wann Feuerund Stroh zusammen kommen / brennet es gern.Hätte Dina der Fürwitz nicht gekakelt und gestochen/> daß sie wäre nachSichem spatzieren gangen/die Töch-! ter des Landes zu besehen; So hätte sie ihr Ehren-Kräntzlein nicht verschertzet; O wie manche verspantzieret noch also murhwillig ihre Ehre ! Man sagtund klagt woyl vieler Orten/ es sey ein leichtfertig-yerhurt- verbubtes Gesind: Es ist wahr; Man sagtaber nicht / was die Ursach seye / woher kommts?Der freye Will/das zu viele Nachsehen der Eltern/Herren und Frauen; Man lasset ihnen allzufreyenZaum / laßt die Junggesellen und Jungfrauen in dieGärten und Walder spatzieren/Garten-Gesellschafftpflegen; Knechte und Magde aufs Feld/ hinter He-cken und Stauden / in Schencken und auf Tantz-Böden/ ohne ^scheu zusammen lauffen; Was willdaraus werden?
2. Es sollen die Mägde / über diß/ ihrer vorge-setzten Herzschafft / Herren und Frauen / sie seyenreich oder arm/in ihren Befehlen und Schaffen/oh-ne Verdruß und Murren / zu Willen seyn / ibnenin allen / was nickt wider GOTT und ihre Ebre/gehorsamen/mit Demuth und gutem Willen ihnenzur Hand gehen/ und dasjenige/ so ihnen anbefoh-
len/ mit Lust / frisch/ emsig und fleißig verrichten.Sie sollen des Viehes mit besondern; Fleiß warten/und dasselbe getreulich verpflegen / mit dem Futter-Fürlegen undTräncken/ ihre gewisse Zeit und Stundordentlich halten; ^ie sollen auch des Nachts wachseyn/ und fleißig, nach dem Viehe hören / ob nichtirgend einem etwas mangele/ oder kranck sey/und dasie etwas verspühren / ungesaumet aufstehen/ und zu-sehen; So nun das Vieh nicht essen will/kalte Oh-ren oder Mäuler hat/ oder sonsten krancklich ist/ sol-len sie solches unverzüglich der Henschafft wissendmachen/ damit zeitlich Rath geschaffet werde. Esist ein beschwerlich und gefahrlich Ding/ wann eineMagd / so ein Schlaf - Ratz ist / daß sie die zantzeNacht durch schnarchet / und nicht einmahl erwa-chet / auch des Morgens schwerlich aus den Federnzu bringen ist ; Ja/ daß man ihr / weiß nicht was/thäte / oder sie wohl samt dem Bett hinweg trüge/ehe sie erwachete; Solche faule verschlaffene Mägdesind gemeiniglich zu aller Nacht-Arbeit verdrossen/sonde lich zu dem spinnen / dann/wann sie kaumeine Viertelstund gesponnen/nicken sie mit dem Kopff/als ob^ sie der Schlag rührete/ lassen den Rockenund Spindel fallen / spinnen auch gemeiniglich einliederlich Garn / daß es wohl besser dauchte. Eswill auch den Mägden gebühren/ daß sie gute Ach-tung auf das Feuer haben/dasselbige zu Nachts wohlverwahren ; Mit den Lichtern in Stallen behutsamumgehen; auch denFeuer-Zeug und Zunder wohl inAcht nehmen/ denselben allezeit woh! bereit und fer-tig an seinem gewissen Ort haben/damit/so desNachtsungefähr etwas vorfället/ man ihn bey der Hand ha-be/ und geschwind ein Licht schlagen könne; Dann ge-wiß / es ist ein Anzeig eines übel-bestellten Aushal-tens / wann man eines Lichts bedarff/ und fast eineStund picken und packen muß/ ehe der Zunder / derso wenig nutz/ als die Mägde/ einmal fanget / oder wolgar / welches ein schändlich Ding ist/ erst in andereHäuser lauffen/ Feuer suchen und holen / und alsoauch andern Leuten beschwerlich seyn muß. Aucbsollen die Magde/ des Abends/wann manzur Mahl-zeitgehet/ auf Thür und Thor wohl Achtung geben/daß sie recht verschlossen werden / damit nichts ausdem Haus oder Hof entwendet/ oder hinweg prsüi.ciret wird. Es sollen auch die Mägde mit allem dem/so ihnen anvertrauet wird/ getreulich umgehen/ nichtsverwahrlosen oder entfremden : Sollen den Kühendie Milch nicht stehlen / noch den Gänsen/ Endten undHünern die Eyer / und solche andern Leuten zuflös-sen/ hernach Herren und Frauen beliegen und betrü- jgen/ vorgebend/dieKühe geben so wenig Milch/ oderse»e versiegen ; Sollen auch sonsten nicht hurtigeMauß-Katzen abgeben/ zu sich rapsen und krapsen/wasihreDiebs-Klauen ergreiffen und ertappen mögen. Siesollen nicht faule/ verdrossene Mistmacherinnsn seyn/die alles verderben/ vernichtenund zerbrechen/hernachin die Winckel werffen/ oder da und dorren Mist-Haussen einwurtzeln lassen. Sie sollen sich auch feinsauber und rein halten/und um den Kopff zusammengeputzet seyn/sonderlich/wann sie mitSpeiß/mitMilch/Butter/Käß/Milchraum und dergleichen Sachen um-
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