Durren Theils Anderes Buch.
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lich nicht so groß ist / wie in der ersten. Dannen-hero pflegt man zu sagen: Die Liebe der ersten Ehepflegt gülden/der andern aber silbern zu seyn. FürsAndere / weil es ohne Zanck und Hader nicht wohlabgehet / wo Kinder vorhanden; Weil ein Stief-Vatter die rechte Vatter-Treue gemeiniglich schlechtbeobachtet/und eine StiesiMulter den Kindern er-ster Ehe nicht gut ist/sondern solche offtmals scheelansiehet. Der Burgundische Köniz Sigmund har-te von seiner Gemahlin erster Ehe / einer TochterDietrichs/ des Italiänischen Königes/einen Sohn/Namens Sigerich. "Nach deren Tod freyete er ei-ne andere/ welche sich gegen dem Sigerich als einerecht-harte ^>tief-Mutter erzeigte. Als nun derSohn/ noch als ein Knabe/ einsmahls an einemhohen Fest zusähe/ wie die StiefMutter seiner ver-storbenen Mutter Kleider anzöge/ sagte er/ sie seyenicht werth/ solche zu tragen. Worüber sie sich der-maßen entrüstete / daß sie ihrem Ehe-Herrn weiß-machte/sein Sohn trachte ihm nach dein Leben/ da-mit er das Reich überkommen möchte. König Sigmund glaubte dem verlognen Weib / und besaht/den Knaben/ als er starck gctruncken / und darübereingeschlaffen war/zu erdrosseln; Wie öslvrnu-mel-
^det/ ^nnum dliritti s?6 num, <44. Ob gleich' aber die Stief-Mütter Wider ihre Stief-Söhne undStief-Töchter nicht allezeit mit dem Scbwerdt/ Gifftund Strkk zu wüten pflegen/'hegen sie doch bisge-mein einen schädlichen und schlimmen Haß im Her-tzen. Dannenhew die Römer hefftig mißriethen/ zurandern Ehe zu schreiten/(doch meideten sienichtgar/was sie mißriethen And tadelten/) und pflegten dieje-nige Frau mit einer KeusHheits-Krone zu beehren/welche / nach ihres ersten Mannes Tod / durch steteWirtwenschafft/ die Aufrichtigkeit ihres unverfälsch-ten Gemüths bezeugte. So wäre Vaicris, servilGemahlin gesinnet / welche / als sie von ihren Ali-verwandten gefraget wurde / warum sie/ nach ihresEhe-Herm Tod/ leinen andern heyratheke/antwor-tete / es komme ihr nicht anders vor / als ob ihr8crviu5 noch lebte. Dann sie achtete denjenigen nocham Leben zu seyn/ den sie m ikrem Hertzen und Ge-müth Hecke. Und dem ist auch also/ dann die Ehemuß nicht nach den Leibes-Lustbarkeiren / welche ver-gänglich sind /^ sondern nach der innerlichen und in-niglichen Gemülhs'VergnügunZ/welche unvergäng-lich seyn solle/geschahet werden.
IV.
Worinnen der Mägde Arbeit und Verrichtung bestehe / und
waö sie in Acht zu nehmen.
Je Mägde sollen zuförderst/ (sie mögenEZ nun Besch liessen»/Kinder-Mägde/Kö-chin / Haus- oder Vieh-Mägde seyn/)GOT^ fürchten / fleißig beten / der Predigt undKinder-Lebr mit Eiffer und Andacht beywohnen/undGOrtesWort gerne hören/ auch bey dem HeiligenSaerametrt oder Abendmahl sich mit ernstlicher Vor-bereitung/Büß/Besserung und gutem Vorsatz öff-ters anfinden; Im übrigen/sich aller Erbarkeit be-fleißigen/ keusch / still/ zuchtig/ ftomm/ erbar/ de-müthig / ehrerbietig/ gehorsam/ willig / emsig/ hur-tig/ fleißig / arbeitsam und unverdrossen senn. ImGegentheil sollen sie nicht seyn stutzig / trotzig / auf-geblasen/ hoffartig/ wiederbellend/eigmsilmiW/klap-perisch / plauder- und waschhajstig / vernascht / ver-läumbderisch / verlogen / betrogen/untreu / noch sichmit Diebs - Nägeln krauen. Insonderheit / soll sichdas Mägde - Volck büren vor Büberey / Dieberey/Hurerey/ und Wascherey / für Zanck und Hader/Fluchen und Schwören/Zmiberey/Lügen nnd Trü-gen / auch allem unordentlichen Wesen. Sie sollensich befleißigen/ ein gutes Lob und ehrlichen Namen^u erhalten; dann/ nach dem Ausspruch des weisenKönigs 8, lomoms, ist ein guter Nam köstlicher/dann groß Reichthum/und Gunst besser/dann Silber
und Gold. ?rov. 12. ^ I,
2. Ferner stehet die Hoffart den Mägden sehr Übelan / wann sie alles / was sie verdienen / an die Lum-pen hängen/sich über ihren Stand und Herkommenkleiden/ putzen und schmücken ; Sslcbe hoffä tiqe
Kleider-Docken halten gemeiniglich nicht viel vondem Rocken/arbeiten und spinnen nicht gern/lassenihnen das Faullentzen und den Müßiggang mehr/als die Haus - Feld - Garten - Küchen- und Stall-Arbeit / belieben und angelegen seyn; Aber wer stoltzund hvffartig ist/ der ist ein Narr/und schadet sichselbst ; Stoltz und Hoffart ist der Brunnquell allerLaster; Gleichwie im Gegentheil die DemutheinUr-sprung aller Tugenden. Man findet der Dlenst-Mägde nicht wenig / welche nicht einen guten weis-sen Haddern oder Faden an den Leib zu thun/ dochaber mehr auf den ausserlichen Schein / Schmümcken / Schmirben und Haar-Färben / als auf ihrearme Seel/ Acht haben/ streichen wohl das Ange-sicht / schwantzeln auf der Gassen daher / wie einPfau/gläntzen an der Stirn / wie ein Spiegel/ daßein anderer meynet/ wann er eine solche Dirne sie-het/ sie seye so bald eines Land-Iunckern / oder rei-chen Kauffmanns Tochter/ da sie doch nur eines Bau-ren oder Bettlers Tochter / eine dreckichte Windel-Wascherin/ Kehrich-Vaß oder Spühl-Standenist. Wann rnans aber beym Liecht besiehet / so istnichts mehr an ihr/ als nur der äußerliche Schein-Glantz und Huren-Spiegel/der Leib ist nackend undbloß / zuweilen kaum mit einem groben unsiathigenLumpen umgeben/ ja/ manche kan sich nicht wohlmit einem gantzen/ reinen/ weissen Hembde bedecken.Die Seel ist arm / sie weiß weder von GOTT/noch von der Seeligkeit / kan nicht wohl ein Vat-ter Unser beten. Pfui der Schand'. Pfui det stin-
R?
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