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De« Adelichcn Land- und Feld-Lebenö
wen. Thut nun das ein wijder Vogel/ ein Wid-hopff / wie vielmehr ein vernünfftiger Mensch / dernach GOttes Ebenbild erschaffen ist / und wäre jawider das Recht der Natur / daß er sich seiner El-tern/wann sie alt/schwach und unvermöglich/ nichtgleicher Massen annehmen sollte. Dieser Ursachen
halber/ haben die Kinder den schönen Namen / daßsie öaculus HcneHulis, ein Stab des Alters / ge-nennet werden / als daran gleichsam ihre Eltern/in ihnm Alter / sich getrost halten und lehnen kön-nen.
in.
Drey wohlgemeynte Erinnerungen / welche eine Wittwe
in Acht zu nehmen.
5.
>^Je eine Wittib sich die Inventur ihres5Manns Güter/ nach semem Tod / be-treffend ; Item/ wie sie abzufertigenseye / davon hat unser seel. ^ulor, Lap. 9. Sczur Gange gehandelt; Was sie nun sonst vor noth-wendige Erinnerungen in Acht zu nehmen habe/ davon wollen wir in diesem Capitel Meldung thun:Die erste Erinnerung ist : Eine Wittwe soll / nachdem Tod ihres Mannes/ fleißig an den Spruch äm-brolii gedencken / den Er zu Ende des Buchs vonvon den Wittwen führet : Die Wittwenschafft isteine Meisterin der Treue und Glaubens / eine Mei-sterin der Keuschheit; Von derselben sollen sie diezur wittfraulichen Keuschheit gehörige Erforderegen unverletzt zu erhalten / lernen und begreiffen.Hierzu dienet folgende Historie Eine reiche Wittwewurde von ihrer Dreyen cg-elliret/und zur Ehe be-Damit sie nun ihre thörichte Liebe einhalten
Möchte / fragte sie eine keusche und kluge Matronzu Rath / und richtete darauf folgenden listigen Be-trug ins Werck. Sie Heisset einen jeden/ um einegewisse Stunde/ zn sich kommen/ und schaffet« / umselbige Zeit / alle die Ihrigen auf eine Seite. Undweil ihres Nachbarn entseelter Corper in einer Knifftauf dem nächsten Kirchhof/ wo man die Toden-Ge-beine zu verwahren pfleget /meinem Sarg läge/ ge-böte sie dem Ersten / daß er / aus Liebe gegen ihr/den Cörper sollte aus dem Sarg heraus nehmen/sich selbst aber darein legen / und darinnen/ biß zurZeit des Frühe-Gebets / verbleiben. Wie nun sel-biger solchem Befehl willig nachkäme/ (dann/ wasist wohl thörichter/ als ein Liebhaber?) befahle siedem Andern/ der sich bey ihr einstellte/ er soltesichin Gestalt eines Engels/ mit einer brennenden Ker-tze/ zum S-irg verfügen / und allda d selbigen hü-ten. Dem Dritten / der sich etwas spater bey ihreinfande/ befahl sie/er sollte eine Teuffels-Larve an-ziehen / den Verstorbenen aus dem Sarg nehmen/und zu ihr herbringen. Als nun selbiger/ was ihmanbefohlen / verrichten wollte / sahe er den Engelauf d.'M Sarge sitzen/ wurde hierüber/ anfangs/mitFurcht umfangen / und fienge bald darauf an/ garauszureissen/ doch / aus Liebe gegen die Wittwe/kehtte er wieder um / und machte sich über den En-gel her / der sich mit der brennenden Kertze verthei-digte. Derjenige aber / so in dem Sarg läge/ sahe
inzwischen durch eine Ritze / den Engel und Teüffel, einet halber miteinander streiten / machte wunderli
che Calender / und damit er nicht etwan/ an stattdes Verstorbenen/ von einem/ unter ihnen beyden/möchte davon geführet werden/ spränge er mit gros-sem Gepolter aus dem Sarg Herfür. Hierüber ent-setzten sich jene beyde noch mehr / weil sie vermeyn-ten/ es wäre der Verstorbene wieder lebendig, wor-den / liessen also insgesamt davon / und dancketenGOtt/ -daß sie/ vermittels ihrer Füsse/ mit demLe-ben waren davon gekommen. Durch eine solche Listhatte das kluge und verschmitzte Weib ihre thörichteLiebhaber auf einmahl abgewiesen. ?auius
in Sjiucjopoeciia.
2. Die andere Erinnerung ist : Ein Weib solle/nach dem tödtlichen Hintritt ihres Mannes / fleißigund treulich dasjenige ausrichten / was sein letzterWille von ihr erfordert/und ja derjenigen WittweAcht nachahmen/ von welcher Kob?rm5 t^vl^k.einlobwürdiger Ausleger der heiligen Schrifft/ solgen-qende Historie erzehlet : Ein Mann bey schlechtenMiteln (heissen seine Worte / L-ät. z. in iib 8s.üient.) verspührte an seinen abnehmenden Leibes-Krässten / daß er dem Tode nahe wäre / und weiler gerne seine Seele / durch ein gottseliges Allmosenreinigen und aussöhnen mochte/ sprach er zu seinemanwesenden Weibe / es sey sein ernstlicher Wille/daßman denjenigen Ochsen / der im Stall stünde/ also-bald verkauffen / und das Geld unter die Annenaustheilen sollte. Das verschlagene Weib versprachhierauf/diß sein Begehren fleißig ins Werck zu rich-ten; Wie er aber dahin wäre/ bediente sie sich fol-genden Betruges ; Sie böte den Ochsen / wie sieversprochen hatte/ feil/aber nicht allein; sondern siefügte ihre Katze demselben also bey / daß/ wer denOchsen kauffen wollte / auch die Katz mit dabey ha-ben müsse; Diese böte sie um eine Marck Goldes/jenen aber nicht höher/ als vor einen einiqen Pfen-nig. Endlich / bekäme dieses betrügliche Weib einenKauffer/der ihr auf solche Weise/so wohl den Och-!sen/ als die Katz / abkauffte. Darauf nähme sie denPfennig / den sie vor den Ochsen eingenommen hat-te/ und gab ihn/ vor ihres Mannes Seele/den Ar-men. Die Marck Goldes aber / die sie vor die Ka-tze eingenommen hatte / behielte sie zu ihrem Nu-tzen.
z. Eine Wittwe solle nicht leichtlich zur andernEhe schreiten / weil selbige selten ohne Wehe zu seynpflegen / und zwar aus folgenden zweyen Ursachen:Erstlich / weil die Liebe in de r andern Eb e qemeim q-
lich