Druckschrift 
3. Th. (1715) Deme zum Beschluß, Ein bewährtes, meistens aus eigener Erfahrenheit, und unterschiedlich-practicirten Manuscriptis, wohleingericht- sehr nutzliches Koch-Buch beygefüget ist In welchem, gantz besondere zu diesem Zweck, sehr curiose Materien, deren man sich, mit grossem Nutzen, und seiner Vergnügung bedienen kan, enthalten ...
Entstehung
Seite
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Dritten Theils Achtes Buch.

Ein berühmter ^umr schreibet von den Zahnender Pferde folgender Gestalt: Wenig Zeit zuvor/ eheein Pferd zo. Monat / das ist dritthalb-Jahr/errei-chet/ hat es noch zwölffMilch-Zahn/ deren sechs obenund sechs unten / (ich rede jetzt nicht von den Backen-Zahnen ) vornen im Maul stehen. Im dreyßigstenMonat aber/ oder kurtz hernach/schiebt es vier/zweyunten und zwey obön davon ab. Etliche werffen sieerst um das dritte Jahr ab / dann hierinN keine Zeitist; An statt dieser vier Milch-Zahne / welche aus-gefallen find / wachsen ihnen vier andere / die vol-len Zahne genannt/ welches die Zahne in der Mittenund diejenige sind / damit die Pferd das Gras ab-weyden. Hier ist zu mercken / daß diejenige Zahne/so an statt der Milch - Zahne wachsen / viel grösser /starcker/ und breitersind/deßwegen sie auch die Pferdeihr Lebtag behalten / und keine andere um diese Ge-gend bekommen. So man dann siehet/ daß ein Pferdenicht mehr als zwey Zahne unten / und zwey oben/so die vollen Zahne genennet werden / an statt derMilch-Zahne geschoben hat/so istgewiß/ daß es aufshöchst bey drey Jahr alt ist / gemeiniglich aber sindsie nicht älter als dreyffig Monat / das ist dritthalbJahr. Um dasvierdthalbe/ oder / welches aber garselten geschicht / um das vierdte Jahr wirfft es vierandere Milch - Zahne / zwey oben und zwey unten/neben den vollen Zahnen ab / und kommen an derenstatt vier andere gute / die eben so dick/ breit / undstarr sind / oder doch bey nahem / als die vollenZahne/ so man aus derUrsach/ weil sie mitten zwischenden Eck-und vollen Zahnen stehen/Mittel-Zahne nen-net. Also daß/ wann ein Pferd vier Zahne oben undvier unten geschoben hat / man ftlgen kan/ daß esvierdtbalb Jahr / öffters vier Jahr zurück gelegt ha-be. In solchem Stand sind einem Pferd nur vierMilch-Zähne/ so in den vier Ecken stehen/ noch übrig/welche ein Pferd in fünssthalb Jahren abwirfst.

Hierbei) ist zu mercken/ daß ein Pferd die obernEck-Zahne / eher als die untere/ hingegen die untereHacken vor den obern/ schiebet. Es gibt Pferde/ dieofftermals keine junge Zahne mehr haben / und beydenen die obern Hacken noch nicht hervor kommen /ob sie schon die Eck-Zahne s welches diejenige sind/ dieM statt der letzten Milch-Z.'hne kommen/und worandas Alter der Pferde erkannt wird) geschoben. Es istnoch von den Hacken zu reden übrig; welche nichtwie die andern Zahne beschaffen/ dann an ihrer Stattkeine junge Zähne gestanden / und kommen ohnge-fehr um die vierdthalb Jahr hervor / da sie offt/ ab-sonderlich die obern / bey ihrem Bruch aus dem Zahn-Fleisch zimliche Kranckheiten bey den Pferden ver-ursachen : Man findet Pferde^ die ein gantz trüb Ge-sicht davon bekommen. Der gewissesten Kennzeichender Erkanntnuß des Alters der Pferde eines ist / dieBesichtigung der Hacken / so bald die vollen undMittel-Zahne sich erzeigen / und aus dem Zahn-Feischheraus brechen / sind sie in fünffachen Tagen gantz-lich ausgewachsen / hingegen wachsen die Eck-Zähnenicht so geschwind / doch aber sind sie eben so breitals die andern; Aber sie haben ohngefähr nur einesThalers Dicke/und sind darneben scharff. Es kangeschehen / daß die Eck-Zahne eben zu der Zeit hervor

III. Theil.

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kommen / als die Hacken / bißweilen auch eher/ aberfast allezeit hernach / dann die Hacken gemeiniglichvor den Eck-Zahnen kommen. Ich hab in Teursch-land gesehen/ daß / indem viel Pferde im Krieg dar-auf gangen / die Roß-Händier den Pferden um dasdritte Jahr die jungen Zahne/ um die Natur zu desto ^geschwinder Schiebung der grössern zu bewegen/ aus-gebrochen. Dann weil ein Pferd von z. Jahren inden Krieg nicht tauglich ist / sondern erst im vierdrcn!oder funfften Jahr Dienste zu leisten anfangt/haben!sie sich zu desto besserer Verkauffung derselben diesesFunds bedient / dadurch ihnen das Alter verstellt/und das Ansehen der vier-oder fünffjährigen Pfer-den zuwegen gebracht / weil in diesem Alrer die Teut-schen Pferde eben so gut und nützlich sind/als wannsie achtjährig; welches aber von den FrantzösischenPferden nicht kan czesagt werden / dann solche zu denKriegs-Diensten alter seyn müssen. Die Stuttenhaben selten Hacken / so sie aber deren haben / sind sieallzeit kleiner und geringer/dann der andern Pferde/und kan Man aus den Hacken der Srutten/gleich-'wie bey andern Pferden nichts abnehmen. Viele /!derer Meynun^ich auch bin / halten in diesem Fall!nichr viel von StutteN. Es ist aber auch zu wissen/!daß Pferde / so von Jugend auf/ das ist/von zweyoder dritthalb Jahren an / zum glatten Futter / jaauch zum Stroh gewöhnet werden/den Zähnen nachviel alter scheinen als sie sind / dann neben dem/daßsie eher schieben / so nutzen sich die andern Zähne ab/und wird auf solche Weiß das Kennzeichen ausge-löscht. Wann ein Pferd keine junge Zahne mehrhat / und .seine Eck-Zahne zu schieben erst ansänget/o ist es seine funff Jahre / oder ohngefähr fünffr-?alb Hahr/ und frissr/ wie man zu sagen pflegt / indem funfften/ und ist eine gemeine Art zu reden voraller Welr angenommen/ daß man einem Pferd/wann der Zähnen dritter Schub geschehen / das ist/wann es die Eck-Zähne geschoben/funffJahr gibt/und ihm solches Alter so lange zuschreibt/ biß der Zahnso hoch inNen-als aussenher ist. Es ist aber leicht zuerkennen / wann der Zähne dritter Schub geschicht;Dann der Zahn scheint Anfangs dem Zahn-F'eisch

gantz gleich / welcher hernach/nach und nach/wächst/

dergestalten/ daß/ wann das Pferd seinefünffJahrzurück gelegt/ derselbe über dem Zahn-Fleisch herausist. Der Unterscheid dieses Zahns mit den andern /so darneben sind/ bestehet darum/daß er scharffundinnwendig noch gantz voll Fleisch ist / welches sichmit Wachsthum des Zahns nach und nach verlieh-ret/ und bleibt an dessen Start der Zahn innwendiggantz hohl / welcher oben auch noch nicht platt / daslst/innweNdig so hoch als aussenher/lst/wie es ein Jahrnach dem Schub seyn wird. Von fünffbiß zu sechst-halb Jahren bleibt der Zahn innwendig gantz höht/und ist der Ort / wo vorhin das Fleisch gestanden /gantz leer. ^ Von sechsthalb biß zu sechs Jahren wirddie Höhle innwendig im Zahn ausgefüllt/ und wächstder Zahn aus / dergestalren / daß er so wol innwen-dig als aussenher oben gantz gleich und eben ist/undnur in der Mitte eine kleine Höhle überbleibt. Danngibt man Achtung auf die Höhle oder Grüblein/ sowie der Sproß an einer dürren Bohnen formirer/

(5) 2 und