8^ Dritten Theils Achtes Buch.
brauch und ^iewonheit/ zuwcg gebracht wird/ ist nicht
Art gewartet werden: So weichlich / blöd / kranck-!lici) urid mangelhafftig sind ihre junge Pferde / und
die geringste Tugend eines Pferds/dadurch es lang-wierige / schwehre Arbeit sonder Ermüdung / Be-schwerung/Schaden oder Abnehmen der Krafften/aushalten kan. In dieser vortrefflichen Eigenschaffrexcelliren die Pferde aus den warmen und barba-rischen Landern/ mit noch etlich andern umliegendenvor allen andern/wiewol eine Nation mehr/als dieandere. Dann so Hut und herzlich in diesem Stückdie Persianische/ Turckische/ Hungarische/ Podoli-sche/und andere dergleichen Pferde/bey ziemlichemAlter seyn mögen/und ungläubige Dienste und Rittsonder Fütterung / oder doch bey gar wenigem/ aus-stehen können/daß es ihnen-den geringsten Schaden
nicht bringet / sofern sie nur davep recht nach ihrer
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wahret dasselbe so lang/ biß sie das siebende Ja.'>r er-reichet/ dann vor derselben Zeit werden sie es in derTauerhafftigkeit andern Pftrden / welche nicht fürtauerhasstig gehalten werden/ gar wenig zuvor thun.Heryegen tan ein Englisches/ Teutsches/ Frantzösisch-und Dähnisches Pferd/in der Äugend mehr/als imAlter/ vertragen / darinnen man ihm im geringstennicht wohl etwas zumuthen / oder vertrauen darff/sobald sie das neundte oder höchst zehende Jahr zu-rück geleget / weil sich bey denselben mit solchem Al-ter gleich allerley Kranckheiren einstellen / daß manan einem solchen Pferd mehr Zeit mit Artzneyen zu-bringen muß/ als man es nutzen kan.
IV.
Vom Alter und langem Leben der Pferde.
^Je hoch ein Pferd sein Alter bringen/ undwieviel Jahr es seine muntere und völlige
Krafften erkalten könne/lasst sich um sovielweniger ohnbedingt beantworten/je gewisser hierin-nen/bey den Pferden so gut / als bey andern Thie-ren und Menschen selbst/ das ^srurell und War-tung der Nahrung/wie auch der Lufft und Landes-Ärt / eine grosse Verschiedenheit machet. Jedochhat man ein und andere Exempel von Pferden/wel-che lang gelebt/ und ihre Krafften behalten: Dannso hat ein Reuter ein Pferd von siebentzig Jahrenin Schlachten und Scharmützeln geritten / und sei-nem Herm rühmlich damit gedient. Des älexanciri^.Kl.iceptisiu5 hat dreysstgJahrgedauret/ehe er inder Schlacht mit dem König ^c>ro mit einem Pfeilerschossen worden. (>»rolus VIII. hat ausser demvier und zwantzig-jahrigen/ einaugigtem Pferd/des-sen unser Her: von Hohberg gedencket/in eben der-selben Schlacht auch ein dreysstg - jähriges geritten.(^! .u6iu8 klirre, ein berühmter Ritter von Padua/at ein Pferd zwantzig Jahr in seinem Dienst ge-habt/und es hernach einem Obristen/Cs mille,l'onns, verkausst / welches Pferd diesem dsmillo,wie auch dessen Sohn in dem Krieg vor
hohenund in der Schlackt/worinnen L>rro?.2i geschlagen worden / sehr woyl qedienet/ ja auchhernach noch lang gelebet hat. Eine alte barbari-sche Stutte/ nachdem sie ein Cavalier lang im Krieggebraucht / und ihm von ihr manchmahl das Lebenlslvirt worden / hat von diesem Cavalier/ nachdemsie unvermöglich worden / Futter und Wart auf ihrLebenlang bekommen. Als aber dieser Cavalier ein-stens/ aufEinrathen seiner guten Freunde/ im Rauschüberredet wurde/ den Muth dieser alten Stutten zupropren/ liesse er sie in einem mit einer Mauer um-gebenen Platz einsperren / lind einen Löwen zu ihrhinein lauffen / welcher sogleich mit offenen Rachenauf sie zugesprungen ; Allein sie widerstünde ihm indem ersten Angriff muthig/und versetzte mit dem ei-nen vorder« Fuß dem Löwen eine solche derbe Ohr-feige/daß dieser davon yantz daumlich zu Boden fie-le/wiewol er endlich wieder zu sich selbst gekommen/
und von neuem die Stutte grimmig angefallen; Obsich nun gleich diese noch eine Zeitlang rapffer widerihren Feind vertheidiget / hat er sie doch endlich/ durchHinwegreissung eines Brges vom Leib / bemeisterr/und ertodter/ nicht lange aber über diesen sauer- er-worbenen Sieg frohlocken können/ weiter selbst diefolgende Nacht von den Schlagen der Stutten ster-ven müssen. Diese hat also noch in ihrem hohen Al-ter sattsam gewiesen/ daß es ihr an Muth und Stär-cke noch nicht gefehlet habe. Her: Georg SimonWinter hat An. i6ss. und s6. in der Reit-SchulHerm krobemi zu Heidelberg/verschiedene Pferde/von zwantzig biß dreyssig Jahren/gesehen/welche ih-re l-ettiones. dessen ohngeachtet/ noch wohl gemacht/worunter eines der besten Springer einer gewesen/und alle Schulen fünff8?ko>gi-en getragen; Ein an-ders aber damals/so schon etlich und zwantzig IM-aus sich hatte / und gleichwol noch Anno 1668. wieer es wieder gesehen/seine Schulen gu! und just ge-macht. Eben dieser hat in dem Hochfürstl. Wür-tembergischen Gestürte zu Marbach ob der Alb/ undim Closter Offenhaussen / als Stutten-Meister/Stutten zu zwantzig und mehr Jahren unter Han-den gehabt / welche in dem Esel-Gestütte zu Offen,Hausen noch etliche Jahr schöne Maul-Esel gebracht.Er schreibet aber alles dieses der guten Pfleg undWart/ auch bey den letztern/der Berg-Weid, undfrischem Wasser/davon sie von Jugend auf gewoh-ner gewesen/zu/gestalten er behauptet/daß alle Ros-se / welche in gebürgischen und rauhen Oertern ge-fallen/auch vor dem sechsten Jahr nicht gar zu sehrltl-!,pp2?irt werden/ viel eine grössere Stärck und Äl-ter bekommen/als andere aus morastigen Landern/welche/so sie ausser ibrem Lande in bürgigteOerter/wo kurtze und rauhe Weide/ und hartes Wasser ist/gethan werden/gar selten gut thun/ja unter zwölffderselben kaum der halbe Theil davon kommt/ undin etlichen Jahren alle darauf gehen. Woraus dannsattsam erhellet/ daß an der Wart und Pflege/wieauch Weide und Landes-Art/viel gelegen/und ausder Ursach sich keine gewisse Zahl der Jahr der Pferdeinsaem-'in bestimmen lassen.