De6 Adeliche!! Land - und Feld-Lebens
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Bottichen / wann es zulande eingeweicht stehet /unddieses gibt kein gut Bier / so über acht Tage nicht dau-ret / daß es nicht verderbe / wann es ohne Mittel zumbrauen gebraucht würde, solchem aber vorzukom-men/soll man dasWasser vom Bottiche abziehen/undander frisch rein Wasser wieder darauf giessen/ oderlausten lasten/ wo man die Gelegenheit darzu hat/ sol-ches etwann ein paar Stunden darüber stehenlassen/so zeucht sich der durch dieGährung dareingezogeneDunst wieder heraus/und kan hernach noch gut Bierdavon gebrauet werden.
Sonderlich hat man sich bey der aufdem Feldeschon ausgewachsenen Gerste oder Frucht wohl inAcht zu nehmen / als welche gar leichtlich in demBottiche zu gahren pfleget/ denn sie eher als andere/nicht ausgewachsene Früchte/weichet/da muß man sichdes vorerwähnten Unterrichts und Hülss- Mittelsauch bedienen / und die Frucht fein sauber mit frischemWasser vom Bottiche wohl abschalten oder spühlen.Solche Gersten oder Frucht muß man im Herbst oderFrühling / wann es warm ist / malzen / so kan manmit ihr desto besser zurecht kommen / unddasMaltzein wenig harter/ weder sonst zu heschehen pfleget/ dör-ren/ auch die Keimen nut den Handen tvohl abreibe^davon vergehet ihm der entstandene üble Geschmackwiederum gar fein / und gibt nachmals noch ziemlichgut Bier.
Trüge sichs auch etwa zu / daß zur Malz-Zeitgrosse Kalt einfiele / soll mann den Bottich mit Bret-tern /Tüchern/Röcken oder Stroh wohl zudecken/und nach genügsamer Weichuna und abgelassenemWasser / die Gerste / oder was für Frucht zum Mal-zen eingeschüttet worden / bald wieder aus dem Bot-tiche oder Malz-Kübel schassen / (damit sie nicht an-friere) und aufeinen runden Haussen / oder Kegel/soyoch man nur immer kan / an einen nicht gar kaltenOrt / schütten / mit Sacken / Madratzen / grobenTüchern / Feder-Betten/ Erbis-Stroh:c.wohl zu-decken / und ein Tag oder drey also liehen lassen / als-dann an die Scheiben/ jedoch etwas hoher / weder imHerbst oder Frühling / setzen / und dessen/ der Gebührnach / mit Wenden und Umkehren/ auf daß die unter-ste im Wachsen auch zugleich mit fortkomme/und nichtgehindert werde / fieifsig warten und pflegen. Wareaber aus Versehen und Hindansetzung voriger Lehreund Unterrichts / die Gerste oder Frucht im Maltz-Kübel oder Bottiche irgends angefroren/ soll man siemit siedend Heissem Wasser wieder aufthauen/und wievorangezeiget / zurecht setzen.
Allhier sollte auch wohl die Qualität des Mattzeszum Brauen cierermimret und benennet werden/lasset sich aber nicht wohl thun; dann man nicht allent-. halben und auch nicht allezeit gleich viel zu brauen pfle-get/ auch nicht alle gleich starck Bier gerne trincken/sondern mancher / seiner Gewonheit oder Leibes-Zu-siand nach/lieber leicht/dünn und gering / ein ande-rer aber lieber starck/ fett und dick Bier verlanget undhaben will.
Ein mittelmassig und fein Bier gibt es/wann manaus einem Erfurter Viertel / oder Gother Malter(thut nach Nordhäusischem Frucht-Gemeß vierScheffel gemeine / deren zwöiff daselbst einen Schef-
fel machen ) gut Maltz / drirchalb oder drey EymerBier brauet / so geben 6. Erfurter oder 24. GotherMalrer (sind acht NordhausifcheMarck-Schessel)in einem Gebrau 60. biß 70. Eymer gut Bier/wel-ches/so es allein aus Gersten-Malz gebrauet wird/pflegen sie es an vielen Orten / als Gotha/ Eisenach :c.Einfach-Bier zu nennen/so es aber mit Waiken-Malz versetzet wird / nennet mans / und sonder-lich zu Gotha / Schmalkalden / und Arnstadt zc.Waitzen-Bier. Andere werden nach denen Städ-ten / allwo man sie brauet / genennet/- als das zu Gar-leben / in der Marck Brandenburg gebrauet / und inNieder-Sachsen hoch gehalten wird/ hat den NamenGarley empfangen / dasselbe wird auch von ungleicherSrärcke gebrauet/daher die geringere nur Garleyschlechthin/ oder einfache Garley/ die andere stärckereaber/ doppelte Garley genennet wird / welche denenTrinck-Gasten auch doppelte (x>urs?,e machet/gleich-wie in Gotha einfach und doppel Gersten-Bier ausgleich vielem Malz gebrauet wird / nur daß man beyeinem mehr als beym andern Wasser zugiessen/ undmehr Bier daraus bckmet / daher dann diests/ alsdünner und leichter am Geschmack / und schwacher anKrassten / Einfach-Bier genennet wird / jenes aberDoppel-Bier. Zum Gother Waitzen-Bier kommtder dritte Theil/ auch össters etwas mebrers/nach Be-lieben dessen / der es brauen lässet/Waitzen-Malz/gibt ein herzlich schön Bier/ wann es im Brauen undWartung rechtin Acht genommen wird / welches vordiesem sehr weit/zu der Stadt grossen Nutzen/ wegge-holet und geführet worden/ ehe man die Art und Wei-se es zu brauen anderer Orten erfahren und nachge-ahmet hat. Behalt aber dannoch unter denen thü-ringischen Waitzen-Bieren denPreiß/vor andern/(wiewol solchen etliche dem Arnstadter Waitzen-Bierzueignen wollen/ als welches jenem anStärcke offtüberlegen und vorgehen soll/) und kan ein ziemlich La-ger/doch jeko nicht mehr/wie vor diesem/ausdauren/zu malen wann es zur kühlen Herbst-Winters-oderFrühlings-Zeit gebrauet worden. Dann die Wai-zen-Biere/ wie auch andere / so im Sommer und war-men Wetter gebrauet werden/ halten sich nickt so langjung und frisch / als die zur kühlen und kalten Zeit zube-reitet werden. Wiewohl hiernechst auch gute liessekühl-und trockene Keller/ nebst fleissger Wartung zuderen Lang-Frisch-und Iunghaltung erfordert wer-den. Ich halte dafür/daß man an diesem Ort noch einviel besseres Bier / zu grossem Vortheil der Stadt /;brauen könnte/ wann man die Biere nach dem Mei-schen und Niederschlag oder Durchlauss von den Tra-bern mehr einkochen liesse/ als geschiehet/ so würden siestarcker und kraffriger / sich auch länger / ohne sauer zuwerden/ halten können.
Es giebet auch über dieses folgende Malz-^ixmr,ein fein Bier / wann man 6. Theil Gersten/12. TheilHaber/ und ein Theil Waitz-Malz zusammen nimmt/und behöriger Massen mit gnugsamen Wasser/undHopssen/ Bier daraus brauet. Item/gleich vielDünckel-und Gersten-Malz mit behoriger HusncitatWassers und Hopssen recht gekocht / giebet auch eingut Bier. Hieher gehören auch viele weisse Bier/und sonderlich der Breyhan/die Gose/:c. welche aus
^ Wachen-