Druckschrift 
3. Th. (1715) Deme zum Beschluß, Ein bewährtes, meistens aus eigener Erfahrenheit, und unterschiedlich-practicirten Manuscriptis, wohleingericht- sehr nutzliches Koch-Buch beygefüget ist In welchem, gantz besondere zu diesem Zweck, sehr curiose Materien, deren man sich, mit grossem Nutzen, und seiner Vergnügung bedienen kan, enthalten ...
Entstehung
Seite
54
Einzelbild herunterladen
 

54

De6 Adelichen Land - und Feld-Lebens

dert alle Faulung im Leibe/ und treibet die biliosischeFeuchtigkeiten aus. Dieser muß auch recht und lan-ge genug / doch auch nicht zu viel im Bierbrauen ge-sotten werden/und bestehet hierinn die meisteKunst desBierbrauens. Dann muß man auch zusehen und fleis-»g mercken/ wie lang ein jeder Hopffen das sieden.eiden und ausstehen kan/ daß er nicht zu rohe bleibe/und auch nicht mit übrigen Sieden seine natürlicheKräfften verkehre / etlicher wird zwey / dritthalb / bißin drey Stunden gesotten. Und muß diese Kunst desBierbrauens an einem jeden Qrr fast anders geler-net werden; Dann ein jeglich Land und Refier hat ^seine sondere Art und Eigenschafften / man kan nichtan jedem Ort Kehlheimer - Amberger - Böhmisch-Wendauer - Ordrufisch - Torgisch - Zerbster - Ber-nauisch/Wolisch/Laubnisch/ Breßlauer-Bier oder

Schöps / Hamburger und Lübisches Pier / Braun-schweiger ?)?umm / Rostocker-Oel/ Lübecker Israel/Einbeckisch Bier / Dantziger Doppel-Bier/ und auchmehr / wann man gleich Hopffen / Getraid / WasserundBie:brauer/von denselben herholen lasset/brauen/derHimmel und dieLufft nuiß aucb etwas darbe» thun.So ist auch viel an eines jeden Orts Maas/ LuffrGOttes Gnad / Geschenck und Gab gelegen / an demgehören so und so viel Scheffel oder Metzen Hopf-sens/ auch so vielGetraides/ an einem andern Ortnicht so viel / oder auch wol mehr. Man muß auchAchtung auf die Zeit und der Luffr haben;

Dann wann man brauen will / so muß es nicht zu kaltnoch zu warm seyn / ists zu kalt/^o frierer die Ger-sten/ ists zu warm / so schlagt der Sommer in die Fäs-ser / und wird das Bier leichtlich sauer.

Xl.1.

Vom Brau-Hause / dessen Stelle und anderm Zugehör.

As Gebäu des Brau-Haußes anlangend / las-set sich solches eben nicht also vorstellen / daßes einem jedenOrt ausständig seyn konte. Ins-gemein soll ein Brau-Haus; fein groß / raumig undweit seyn/^damit man sich wohl darinnen regen kön-ne/ von steinen/ und zwar also aufgebauet / daßdie Sonne nicht viel hinein scheinen könne/und es imSommer fein kühl darinnen sey / sonst werden dieBier leichtlich sauer und verderben. Soll auch hier-nechst an einem solchen Orte stehen/da reinerionesaus der Erden aufsteigen/und eine gute Lufftdarinnen machen/welche dem Brauer nicht^u widerseye. Massen man dann von unterschiedlichen Or-ten/ insonderheit aber von der berühmten StadtBraunschweig weiß / daß sie ihre Mumme nicht inallen Brau-Häußern des Orts gut brauen können/ob sie schon eben das Maltz / Wasser und Brau-Mei-'er darzu gebrauchen / welche sie bey andern Ge-

t,

rauen der Stadt ^Kidiret haben. Woraus abzu-nehmen/daß solcher Mangel nicht vom Wasser / wie

andere wollen / noch vom Maltz und Brau-Meister /sondern von der eigenen und widrigen Lufft des Ge-bäudes / so durch die Lxkslgriones oder Ausdünstungdessen Erdreichs oder Grunds corrumpirer und ver-derbet wird / herkommen und entstehen muß / welchesdenen Herzen ?kylicis cunoliorikus genauer zu un-tersuchen und auszumachen überlassen wird. Zu die-ser Untersuchung rönte/ meines Erachtens/ gute An-leitung geben / die Verderbung der Biere /welche imDonner-Wetter/ und beystarckem Schiessen grosserGeschütze / gebrauet werden / allwo die Lufft vomSalpeter - und Schwefel-Dampffinkciret und cor-rumpiret wird.

Wo keine Steine vorhanden/oder die Kosten nichthinlangen/kan mannurHoltz/es seyEichen-oder anderHoltz/nehmen/und bey dessen Anrichtung dahin sehen/daß die Pfanne oder Kessel mit ihrem Camin oderRauch-Fang/so weit von den Wanden abgesetzet undaufgebauet werde / daß das Gebäude vom Feuer keineGefahr und Schaden zu befürchten habe.Oder so man

ja die Brau-Pfanne oder Kessel/wie in Wohn -Häus-sern oder in kleinen k^riv-vr - Bräu-Häussern offterserfordert wird / an die Wand ftr-enmuß/darffmannur selbiger Seite eine steinerne Wand oder Brand-Mauer halten/ daß vom Feuer dem Gebäude keinSchade zugefüget werden möge.

In der Kayserlichen freyen Reicbs-Stadt Nord-hausen / hält man keine gemeine Brau-Häußer/ son-dern ein jeder Brauer bat sein eigenes im Hauße / undwird einem jeden zur Brau-Zeit eine Brau - Pfann/deren 14. in der Stadt gehalten werden / mit einemgrossen starcken eisernen Vier-Fuß oder Trager/aufeinem sehr grossen Schlitten/mit Pferden vors Haußgeführet / hernach von den Brau-Knechten an dieBrau-Stelle getragen/auf den Vier-Fuß gesetzt/und unten herum ein wenig vermauret/ daß das Feuerbeysammen bleibe. Und dieses geschicht ohne Wandund Rauch-Fang/wie sonsten an andern Orten ge-bräuchlich zu seyn pfleget. Hier nechst wird auch die-ses darbey requiriret/ daß es an einem solchen Ortstehe/da entweder das Wasser nechst beywegfiiesse/oder durch Röhren füglich dahin geleitet werden kön-ne / oder ein guter starcker Quell-Brunn nahe daranstehe / damit das Wasser nicht mit grosser Mühe undUnkosten darzu beygetragen werden müsse.

Die andere Zugehör betreffend / bestehen diesel-ben in einer guten starcken küpjsernen Pfanne oderBrau-Kessel/ nachdem das Gebäu groß oder klein ist/oder des Brauers Gelegenheit und Beliebung es er-heischet/ und in guten geräumigen / starcken / wohl-gebundenen Bottichen/deren theils kleinerund zumabkühlen/daher man sie Kühl-Bottiche oderKühl-Fässer zu nennen pfleget / theils grösser und zum Bah-ren des neugebrauten Biers gebrauchet werden / wel-che allemal sauber ausgewaschen und wohl getruck-net/ entweder / wo sie nicht zu groß und zubewegensind/ auf steinerne oder höltzerne Unterlagen umge-stürtzet/daß dieLufft darunter gehen/und sie truckenerhalten kan / oder mit Brettern zugedecket werdensollen / damit nichts unsauberes hinein fallen/ und fel-