Druckschrift 
Anderer Th. (1716) Wie die Bau-Gründe und fruchtbaren Felder auf das nützlichste und ersprießlichste anzurichten ...
Entstehung
Seite
481
Einzelbild herunterladen
 

Zehenden Buchs Anderer Theil/Ecidciiwürnie

48-

man die Rinden an denAesten nicht abstreiffen/noch dieAeste zerstossen oder verletzen/bricht aber ohngefähr ausübersehen ein Aestlein/ muß mans mit einem Schneid-messer glatt abschneiden.

Die Baume vom übrigen Laube zu entladen/ (sagtder Frantzösische Author) soll man mit einem Schnitt-messer ausdie Baume steigen/und/so wett man wol kanbeykommen / alle Sprößlinge/so von ihnen am Baum!wachsen/hinweg schneiden/ und den Baum davon säu-bern/die beste Jett ist der Martius/ im abnehmendenMonden/bey schönem stillen Wetter/ehe die Maulber-BaumeAusschlag-Potzen bekommen ; will man aberwarten / biß zu Ende des Maij oder in den Junnim/ sokan man zugleich auch dasLaub nutzen und denS-eiden-würmern zurSpeise gebrauchen/welches anOrten/woman wenig Laub Hai/wol zu beobachten.Alle dreyJahrdie Maulbeerbäume stümmlen wie di? Felder/verderbtdenBaum/daß man dasLaub lang nicht gemessen kan/und macht darzu den Baum selbst desto eher zu Grundegehen. So zwar die alten 0-conomi. ägoltinoLal.lo und Her: clc Scrics nichtgewust/ sondern geglaubt/1

man müsse alle drey Jahr die Bäume stümmlen/biß sievon den Sicilianern erfahren haben/ daß keine grössereThorheit sey/ als grosse erwachsene Baume / und nochärger/ einen alten Maulbeerbaum/zu stutzen,'also bleibtdas Sprichwort wahr : ?ollcrivrcsc<^Zil^ric>ic» lapicntiorcs, gute Gedanckcn / und hinckende Pferde/kommen hinten nach.

Wann die Blätter an den grössern zweyjahriqmBäumen sich schründen/unsauber werden/ode: oir Ae-ste in einer Unordnung durcheinander verwachsen oderman wahrnehme/ daß dieftö Laub den Wurmen n:chrannehmlich/sondern schädlich wäre- alsdc-nn soll du sei-bige peltzen/und zu dem Ende dieselben junge Bäum:stümmlen/ auf daß die Peltzreise/welche man von gur.nBäumen nimmt / auf die neuen Tre.bschosse aufgesetztund qenmpfel werden. Wolle man aber jede/und allealsopellzen/wäre es um so viel desto besser/weil dasLauban solchen genmpften Bäumen / zärler und den Sei'denwürmern angenehmer und nützlicher ist/ wie solchesan den fruchtbaren Bäumen zu sehen ist.

xv.

Von der Seitenwürm Natur.

N der Landschafft l^sprobans sollen die Sei-denwürme von sich seldst ihre Seiden hin und

wieder an die Baume anhencken/ die hernach

von den Inwohnern/ als wie andereBaumfrüchte/ab-gelesen/und zu ihren Nutzen verwendet werden/daselbstlegen sie auch ihre Eyer an die Blätter/ welche hernachvon der Sonnen Wärme ausgebrütet/ und wieder zufrischen Seidenspinnerinnen werden; das glückseligeciim, aber daselbst ist an diesem Ursach. In unsernLandern gehöret mehr Sorgfalt und Fleiß >arzu / wel-che doch gleichwol von dem mercklich-darouf folgendenNutzen reichlich ersetzt und vergolten werden. Undschreibt der gelehrte ^sc» tton,dieNatur habe/an diesemInlcäa so viel Kunststück erwiesen / daß es unmöglichsey/alles zu fassen / und ob zwar viel davon geschriebenwerde/bleibe doch noch vielzuruck/man betrachte gleichseine wundersame Begräbnis in dem seidenen Klaulo.i-o,seine seltsameAuferstehung zum Leben; seine schöneVeränderung in eine geftügelteBienensaltez/auS einemkriechenden Würmlein ; seine artliche Vermählung:die hinterlassenen Eyerlein/oder das Sämlein / so nachseinem Todt allein zu Verneurung dieses Geschlechtsüberbleiben ; die künstliche Auebrütung ; sorgfältigeNahrung;mancherleyVeränderungenihrerZuständ</den ordentlichen Schlaffe/mdeme die Nahrung in ei-nem subtilen Faden clizerirt und verdäuet wird ; dasüberkünstliche Spinnen/und Einwicklung des gantzenLeibes in die Seidenhäusiein; so hat man allenthalbenreichen Anlaß/ dieGöttliche allweise Allmacht und Für-sichtigkeit zu bewundern.

Etliche wollen / das gantze Leiblein dieses nutzbarenThierleins / sey von sicben meinander gegliedertenRin,geln eingetheilt / mit kleinen Mackeln besprengt/ theilssind liechtgelber/theils we-ßlichter/ u. theils wie Aschen-fArbicht ;sl!.'baben 14. Füsse/und über denRucken/ha-! bm sie einen flachen geraden duuckeln Strich. DieAu-genscheinen seynd subtile / kleine schmale / schwartzeStrichlein/dienach oderSchlems stehen/

U. T.hvU. ^

emen in Zweiffel setzen / obs Augm oder nur schwartze^vtrichlein sind. Er wird viermal gespeiset/viermal cnt-schläffter/viermal verliert er seine Haut/biß er endlich/nachdem er sich satt gefressen / durch seine gläntzendeHaut Anzeigung gibt / welcher Färb seine Seidm er-scheinen werde/ dann begehrt er in die Höhe /und hängtseine Seiten erstlich auf die Aeste der Gesträuche / dieman ihm zu diesem Ende vorbereitet / denn verschliesster sich in ein ablangicht/Eysormiges oder rundelichtes/gelbes/ grünes oder weissrs Häutlein.

Die Jungen / wann sie erst ausgebrütet werden/sind rauch/und haben eineschwärtzlichte Färb / die sie/wann sie zum erstenmal häuteln / in liechter Farbe ver-kehren/und an der Brust sind sie weiß und glantzig/end-lich werden sie gantz weiß und glatt / mit BiensärbigenFlecken/doch etliche liechter/etliche dunckler,davMänn-lein ist etwas dünner und härter; das Weiblein dicker/weicher und weißlichter. An denen Augen kennet manauch Weiblein und Mannlein voneinander ; diese ha-ben einen starcken schwartzenStrich/ die Weiblein abersubtiler/ wie ein Harlein. Die Würme selbst sind nichteinfarbig; theils sind weiß/ und diese hält man für diebesten; theils aber grau und gelb/auch etliche schwärtz-licht.

Das Laub fressen sie/und machen wie einen rundenCirckel darinnen; an ihrem Rucken spühret man/wiedie Pulß sich auf und nieder beweget.

Es mögen die Seidenwürme das öfftere Uberlauf-fen der Menschen ( wie Her! llnarcl meldet) wol gedul-ren; ingleichen auchFeuer undRauch/wann es nicht Mzu nahend/ohneSchaden leiden; hingegen ist ihnm derGlockenklang/ Donnern und Gepolder der fahrendenWägen zu wider/wie auch Vicla UK. 2. meldet:^rcc ctism llrcpitus, cantu csvs cornu^ raucokitiuIZquekorribili procul sblit akcnea öomko,^mpansquc 6: voce; luclentiscomprims pubi»,Invsliclaslzepö cxanimzt Icve murmuralumna».

Wer eigentlich wissen will / wie die Seidenwürme in-

^ Mry

wendig