Druckschrift 
Anderer Th. (1716) Wie die Bau-Gründe und fruchtbaren Felder auf das nützlichste und ersprießlichste anzurichten ...
Entstehung
Seite
395
Einzelbild herunterladen
 

Neundtes Buch / Mayerhof.

395

nie an einem Ort/sondern wechseln damit hin und wie-der /heut hier / morgens anderswound wiewolsie dieHltz besser erdulten als die Kälte/bleiben doch diewil-dcn 'Muen/es wittere wie es wolle/ zu Nacht den gan-zen Winter-durchaufden Bäumen. Die Eyer mußman so wol von den heimischen/als von den wilden flei-sig zusammen suchen/ sie heben an zu legen zwischen desAprils Ausgang/und des Mäyen Anfang; und weilsie länger als andere Geflügel leben / werden sie auchvor dem dritten Jahr weder zum Legen/ noch zum Aus-brüten/ geschickt/ und fangen selten eher an.

Weil sie so vielerlei) Feinde haben/ sonderlich diewilden Pfauen/ suchen sie die abgelegenen/dicken/ ver-wachsenen und entlegnestenOerter; auch machen siewol auf hohe / dicke/ ästige Baume ihre Nester / da sieauch am sichersten stehen. Wann sie am Brüten sind/kommen sie alle Tage/ausHunger gezwungen/ihr Fut-terneben dem andernGeflügel einzunehmen/welches sieaber m höchster Eil verrichten/und schnell wieder zu ih-rem Nest umkehren: aber nicht (wie sie fliegend ankom-men) den geraden Weg / sondern durch Umwege/ihrNest desto besser zu verhehlen. Wann man dieses ver-merckt /muß man ihnen aufpassen/und nachspühren las-sen : und findet mans/ muß man den Ort mit Pfeilern/Spalten undZaunen etwas mehr versichern/den fchad-hassten Thieren den Paß abzuwehren. Ihre Brüt istselten mehr als von 5. oder 6. Eyern.

Wann das Weiblein an der ersten Brüt aufgestürtoder gehindert wird/ legt und brütet es noch einmal/ dieJungen aber wachsen nicht so gern / als die von der er-sten weil ihnen dex Winter zu bald auf dem Hals kom-met. Man muß sie an der Brüt nicht hindern/ oder na-hend zu ihnen kommen/sie nicht zu schrecken oder scheuezu machen / wann man nur ihre gewisse Stund/ die sieallezeit halt/ in Obacht nimmt / wann sie zum Essen ge-flogen kömmt/daß man sie bald füttere/daß sie ehist wie-der zum Brüten umkehren möge. In Monatsfristschiieffen die Jungen aus/ mit denen sie hernach in denHof gezogen kommet.

' Das ärgeste ist der Pfauin Ungedult; und weil dieJungen nicht auf einmal ausfallen / kan sie der letztenofftermal nicht erwarten / führet die ersten fort / undläßt die übrigen Eyer liegen; da muß man / so bald diePfauin mit ihren Jungen Anfangs erscheinet / eilendsihr Nest besehen / die noch liegende Eyer gemach undohne Rüttelung auffassen/und sie entweder einer Brut-Henne unterlegen / oder in einen weiten Korb mit Fe-dern legen / mit Küßlein oder warmen Beltzflecken zu-Hüllen / und den Korb mit samt den Eyern in einen lau-lichten Back-Ofen(nachdem das Brod ausgenommenworden) bringen/da werden sie/wann die Wärme des

Ofens gelinde und lansst ist, wokl und gut nachcknan- ider ausfallen; auf welches gute Achtzuhaben.' Matt'hält sie etliche Tage innen/ und wann sie fressen können/bringt mans hernach zu ihrer Mutter/ die führt sie nim-mer zu ihren alten Brut-Nest/ sondern erwählet olmge-gefehr in einem Strauch oder bey einem Zaun ihrNachtläger / dann muß man nachsehen / und es etwasvermachen/damit sie desto sicherer ruhen mögen: wannsie ein wenig stärcker werden / gewöhnet sie die Mutterallgemach sich auf die Bäume zil schwingen/ und trügtsie anfänglich auch wo! selbst auf ihrem Rücken einesnach dem andern hinauf; Morgens müssen sie wiederder Mutter herab folgen/biß sie recht erstarcken/undselbst auf-und abfliegen können.

Wo man nahe an einem Haus/Jnsuln/oder mitWasser umflossene Werder mit hohen Bäumen hat/da kan man sie am besten halten. Wann man einerHenne wiÜPfauen-und ihre eigene Eyer zugleich un-terlegen/soll man ihr5. Pfauen-Eyer ro. Tage eher un-terlegen / und darnach ihre eigenen Eyer 4. darzu thun/so fallen sie mit einander aus. Die Heimischen Pfäuin-nen setzet man gleich wie die Indianischen Hennen / anstille und abgesonderte Ort an/ wo sie ihnen nicht selbst!vorhin schon einen Ort erwählet haben / daselbst muß'man sie ttUn verbleiben lassen / legt ihnen ihrer Eyer?,oder 8. unter; einer Indianischen Hennen aber/kanman ein Dutzet geben. Den ersten Tag lasset man dieJungen unbewegt bey der Mutter; darnach thut manAlt-und Junges in eine Steige / giebt ihnen KöchleinoderMüslein aus Gersten-oder andern Mehl / läßt sieaber vorher wohl abkühlen/ etliche Tage hernach men,get man gehackten Schnittlach darunter/und ein wenigTopssen/ Ameiß-Eyer fressen sie auch sehr gerne.

Nach vier Wochen lässet mans mit der Indiani-schen Hennen/die sie gebrütet hat/ ins Feld/bindet aberdie Alte mit dem einem Fuß an einen laugen Strick/derangepflockt ist/ damit sie die Jungen nicht gar zu weitverführe» Denen halbjährigen streuet man Gerstenfür / und wann sie in die Ställe gewöhnet sind / müssendieselben hohe Sitzstangen haben/ daraufsie sich desNachts aufschwingen und ruhen können: dann das aufder Erden sitzen ist ihnen nicht gut/ und zu diesem kanman sie gewöhnen von Jugend auf/ die von Teutschenoder Indianischen Hennen ausgebrütet und geführetworden/wiewol sie Kart von ihrer Art lassen. Die Jun-gen / ehe sie fliegen können / muß man auf die Sitzstan-gen hinauf/ und Morgens wieder herab heben. Die s,Männlein unter den Pfauen verfolgen und beissen die'Jungen/ biß sie ihre Federlein auf dem Kopfferlangen»v. Oksries LNiennc sagt / man mäste die Pfauen mitBirn-und Aepffel-Trebern.

cxv.

Weiters von dm Pfauen / ihren Kranccheiten / und was von ihnen in der Ark

ney zu gebrauchen.

^ErPfauen-Stall muß unter sich wolmit dickenSpreueren / Stroh oder grünen Grase be-- - streuet werden/dann sie bißweilen ihre Eyer/wann sie auf der Stangen sitzen / verzetten/ und herab

fallen lassen / welche ohne diese Vorsorge zerbrechen

müsten. Gersten-Mehl mitWein/qiebt man anfangs

den Jungen/ die Milch soll ihnen schädlich seyn.

Wann die jungen Pfauen kranck sind / soll man ih-nen Heuschrecken / denen man die Füsse abgerissen/oderMehlwurm / oder Spinnen und Fliegen/ auch allerleyGewürme vorwerffen. Die Pfauen werden auch ge-meiniglich blöde / wann sie Eyer legen/ da muß man siemit in Hönigwasser geschwelltenWäiken/Habern undgerösteten Bohnen erwärmen. Im übriqen haben sie

Mit