Deö Adelichen Land-und Feld-Lcbens
Nun komme jetzund einer Herfür (fahrt er fort) undsage mir/wie viel Kühe oderSchaafe einer müste haben/bißerin fünff Monaten aus Kalber und Lämmern soviel Geld löse/ ohne einigen seinen Kosten. wäre(spricht er) meines Erachkens/nicht gut/ daß der gsmei-ne Bauersmann diesen Nutzen suchte/dann er würdesichzu fast daraufgeben/ und die andere Viehzucht(die wir auch haben müssen ) verlassen» Naäcnus
(^ncrolus ljaro kuAZcr.
Und ob auch schon die Gestütterey etwas kostet/soist es doch die Nothwendigkeit / daß man der Pferdenickt entbehren kan/und der Nutzen/den man zuFried-und Krieges-Zeiten daraus zu nehmen hat/ so wichtig /
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AS Pferd ist einer hitzigen/ doch gemäßigtenMÄIt-mpcrirt«n Natur/die Hitze erscheinet aus der^^hurtigen Geschwindigkeit und unerschrockenenKühnheit/ die Mässigung aber aus ihrer Sansstmuthund Gehorsam. Es ist ein edelmüthig / nützlich / ja( wie schon oben gesagt worden) dem Menschen einnothwendiges Thier/ so/in bösen und guten Zeiten/zumReuten und Fahren/zumAckerwerck und Kriegswesengebraucht und erfordert wird; und wann ein Bereuterweiß/ein großmütWsPferd mit gebühr-ich« Gelmdig-keit abzurichten/so wird es wundersamenen Gehorsamerweisen/ und mancherley rare Sachen lernen. Wieich dann Pferd gesehen/die Wgantz bloß/ ohne Sat-tel und Zaum/allein nach der ^Ztimm ihres Meisters(sonst gantz ledig) herum getummelt^ auch alle andereLectiones verrichtet haben.
Und erst Anno 1677. ist im St- MichaelisMarcktinRegenspurg ein alrerWestpha! gewesen/ der einenHechten-grauen Dunckel-Schimmel von zimlicherHöhe gehabt/ den er (seinem Sagen nach) aus einsrSchwedischen Insel bekommen / der hat acht Füsse /also/ daß bey allen vier Füssen inwendig/ wo die Kegelanfangen/ein noch kleiner Fuß/ mit Kegel und Horn/recht wie die andern Füsse/proportionirt/auch mirHuf--eisen beschlagen/gehabt; doch also/daß sie Nicht gar aufdie Erden gereicht haben. Dieses Pferd / wann manihm einen Fünffzehner gewiesen/und für die Augen ge-halten und gefragt/ wie viel es Kreutzer halte/ hat essanfft und gelinde mit seinem vordem Fuß ( welchenman begehrt hat / mit dem rechren oder lincken) fünff,zehen Streiche auf dem Boden gethan/ hat man denngefragt/wie viel Groschen selbiger gelte / hat er fünffStreiche hören lassen/ dergleichen er auch mit andernMüntzen gethan hat; so wol auch / wann man aus derKartenein Blar/nachBelieben/von viel oder wenigenAugen genvmmen/und ihm solche vor Äugen gehalten/hat er der Äugen Zahl alsobald / mit dem erfordertenFuß/angedeutet / ob er aber solches aus der blossenWort Verstand/oder viel eher aus des Reuters ( derdarneben gestanden/und es im währenden ättu allzeitbei) dem Zaum gehalten) andeutenden unvermercktenFingerschlag/ also verrichtet habe/ will ich allhier nicht^ilpunren, Er hat auchnoch viel andere Geradigkei-ten verrichtet/dabey ich mich desPlatonis erinnert/alser einmal gesehen/daß ein Mensch die unvernünfftigen
daß alle Potentaten/Fürsten und Herren/ja alle Edleund tapffere Gemüther obiiZirt sind/ die Pferd - Zuchtaller Orten/ nach möglichstemFleiß/entweder selbst an-zurichten/ oder doch wenigstens zu lieben und zu beför-dern. Will hier nichts melden vonNothwendigkeit derPosten/dardurch innerhalb wenigStunden Zeitungeneinlauffenkönnen/daran Land und Leuten viel gelegen /ja dardurch man m kurtzerZeitüber hundert Meilen/Tag und Nacht fortreisen/und zurück legen kan: Willauch nicht melden vom Acker-Bau / da durch ein paargute Pferd/in einem Tag mehr geackert wird/ als vonvier Ochsen / wann sie gleich zwey Tag im Pflug ge-spannet sind.
p. lü.
>r und Eigenschasst.
Thier in dergleichenSachen unterrichtet/hat er gesagt:Operam clo.ut Nomines non lint 8cttiie,Sc ittc lst szit,ut LelliT Kant Kamines»
Von andern/ wird das Pferd allein mit dem Ele-phanten/die der Menschlichen Beschaffenheit am aller-nächsten/ warm und feuchter Natur / als der vollkom-menesten/^ompicxion gehaltewwiewol in denwolas-artecen und muthigen Pferden/ die Wärme etwas fur-schlaat/denn solche haben eine Hoffart/gleich manchemManschen / erfreuen sich mit schönen und wolgeziertenBezeuge/haben Lust bey schönen grünen Wiesen/ anBronnquellen und Bächen zu spatziren; das Pferdliebt guten edlen Geruch/und fliehet alle UnsauberkeitundGestanck/liebt dieTrompeten/ undalles/was hell/laut und lieblich klinget / dardurch sie in Feld-schlachten behertzter und frecher/auch schneller und hur-tiger werden/ wie dann auch viel stattliche und verwun-derlich-künstliche Roß-Ballet/zu unsern Zeiten/ in fri-scher Gedächtnis sind.
So lieben sie auch/ gleichwie der Mensch/ trocknenund saubernUnterstand und Lager/sie erkennen und un-terscheiden/wer ihnen Gutes und Böses thut/ und sindsonderlich die in hitzigen und trockenen Landern gefalle-nen Pferde scharfsinniger und artlicher / als was inkalten und feuchten Landen gebohren wirb. Sie habenvor andern eine fähige und wolbehaltende Gedächtniß/daßsie das/was man sie gelernet / (wofern sie nur inbeharüicher und gebührlicher Übung erhalten werden)nicht leichtlich vergessen.
Ja wann es wahr ist / was Vilnius schreibet/ habensich Pferde gefunden/ die in den Schlachten/ Spießund Wehren/so ausder Erden gelegen/ mir dem Maulaufgehebt/ und ihrem Herrn dargereicht haben. Undschreibt Paulus Venerus. wann die Tartarn/ die gegenMitternacht liegendeVölcker/bey denen inWinter vilMonath nacheinanderNacht ist/berauben wollen/weilsiesonst in der Finstern/ den Zuruckwegenach Hausenicht zu finden wüsten / setzen sie sich auf Stutten / dieSäugfüllen haben/lassen die Füllen bey ihren Gesellen/an einem verwahrten Ort an den Grentzen/ und ziehenalso auf die Beute; wann sie genug gestohlen / und wie-der nach Hause wollen/den Weg aber/wegenDunckel-heit der Luffl/nicht gewiß und unfehlbar treffen mögen/lassen sie allein ihren Stutten den Zaum/ und lassen sielauffen/ wohin sie wollen / die finden den Weg zu ihren
Füllen