Die Dienstboten. 103
lichen Herrschaft, daß sie auch ernstliche Sorge für dieGesundheit der Dienstboten trage, welche ja für dieseein ganz besonders großes Gut und so oft ihr einzigesBesitztum ist und man lasse daher, namentlich beiHusten, zeitlich passende Hausmittel anwenden oderin ernsteren Fallen den Arzt rufen und forge dann fürgute Pflege, welche freilich in vielen beschränkten Woh-nungen sehr beschwerlich und manchmal unmöglich seinwürde; wo daher Krankenhäuser sind, da versäume mannicht, seine Dienstboten jedes Jahr einzukaufen.
Gleiche Sorge, wie für den Körper, muß man michfür die Seele seiner Dienstboten haben und ihnen nichtnur die Zeit zur Erfüllung ihrer kirchlichen Pflichtenbewilligen, fondern sie auch dazu anhalten, aber alleÜbertreibungen verhüten, welches man beim Mietenzu bemerken hat.
Eine sehr schwierige, weil auch eine Gewissensfrage,ist in unsern vergnügungssüchtigen Tagen, welche Ver-gnügungen man seinen Dienstboten gestatten und wieman die Mädchen vor leichtsinnigen Liebschaften bewah-ren soll und dies gilt besonders von den Städten, wodie Vergnügungen sich häufen und die Mädchen bei ihrenAusgängen zu Besorgungen und Spaziergängen mit denKindern und durch das liebe Militär, so viele Gelegen-heit zu Liebeleien haben. Wurde doch kürzlich erzählt,ein Russe und ein Berliner hätten sich über die Vor-züge ihrer nationalen Küche gestritten und der Russedabei hervorgehoben, daß in Rußland jede Familie ihrenKoch habe, worauf der Berliner erwiderte: „Da sind„wir Deutsche schon längst über, denn bei uns hat jeder„Soldat seine Köchin."
In meinem Hause besteht die Regel, daß die männ-lichen Dienstboten kein Wirtshaus besuchen dürfen, außerbei besonderen Gelegenheiten: Kirchweihe, Schützenfest,Sedaufeier, die Dienstmädchen keinen Tanz, außer mitihren Eltern; dagegen werden ihnen Ausgänge nachHause, wie es der Dienst gestattet und Besuche der