Tie Dienstboten. gg
„Das ist nun der neunte Sekretär, mit dein sie ver-lobt ist/' lachte Sophie.
„Ich kann's den Burschen nicht verdenken," versetzteFrau Stohinann wieder, „sie haben wenigstens gut Futterauf die Weise, und wer weiß, am Ende bleibt einerdoch mal feste."
Wenn nun Sophie, sicher gemacht durch solche Ver-traulichkeiten, mit ihrer gutherzigen Plumpheit lachenddazwischen gepoltert kam: „Ja, es kann doch mal glücken!Denn Sie sollen auch erst lange geangelt haben, eheSie den reichen Fisch gesangen!" — Da suhr aber FrauStahmann auf: „Impertinente Person! Du weißt wohlnicht, mit wem du redest? Wie kannst du dich dasunterstehen? Weißt du, wer ich bin? Ich bin nicht aufder Straße gefunden, ich könnte wohl mit Vieren fah-ren, wenn es nur Spaß inachte, du dummes Bettel-mädchen! —"
Obgleich, wie die böse Welt sagt, die Unterredungüber die Dienstboten, eine Lieblings-Unterhaltung derHaussraueu sein soll, so sagt doch meine alte Erfah-rung, daß die Herrschaften sehr wohl thun, wenn sievon ihren Dienstboten ohne Not gar nicht sprechen, amwenigsten aber mit den andern Dienstboten und wederin Lob noch in Tadel. Im Evangelium Lukas wirdzu deu Knechten gesagt:
„Danket er (der Dienstherr nämlich) auch demselbigen„Knecht, daß er gethan hat, was ihm befohlen war? Ich„meine es nicht.
„Also mich ihr, wenn ihr alles gethan habt, was ench„befohlen war, so sprechet: Wir sind unnütze Kuechte; wir ha-„ben gethan, das wir zu thun schuldig waren."
Dann muß man bedenken, daß fast alles wiedergesagt nnd dabei meistens noch übertrieben wird, undda ist denn des Geklatsches und des Aergers, oder hatman Lob gespendet, der Ueberhebung, des Ueberinutesund des Neides kein Ende, oft auch des Hohns, wenn,wie sehr häufig, das Lob nicht verdient ist. Eine ebenverheiratete junge Frau pflegte von ihrer Magd zu