Hg Die Dienstboten.
„Gnädige Frau, wie ich bei Ihnen eingetreten bin, Hab'„ich gar nix gekonnt. Sie hab'n sich so viel Müh' mit„mir geb'n und hab'n mir alles g'lernt. Jetzt kann ich„koch'n, wasch'n, bügel'n — kurz alles, was ein ge-schickter Dienstbot braucht. Das werd' ich Ihnen nie„vergessen und ewig dafür dankbar sein." — „Ist gern„geschehen, Lisette, sei Sie nur fernerhin so brav, ich„bin sehr zufrieden." — „Na, sehn's gnä' Frau, das„sreut mich, daß Sie das sag'n: und so wollt' ich halt„bitten, daß Sie mir vom nächsten Monat an um sechs„Mark mehr geb'n, da ein Dienstbot, der so viel leistet„wie ich, nicht um so geringen Lohn bleiben kann."
Ganz Ähnliches ist Schreiberin dieses selbst begeg-net, nur daß i ch die Mutter des Mädchens, bei ver-suchter Lohnsteigerung, darauf aufmerksam machte, wieihre Tochter ja alles in meinein Hause erst erlernt habe-und erhielt zur Antwort: „Sie kann et ävver" (siekann es aber), worauf ich dann natürlich eine anderemietete, die es auch konnte, ohne daß ich mir dieMühe zu geben brauchte, sie anzulernen. In Englandkamen sonst solche Dienstboten in die Tretmühle.
Man mache auch bestimmt aus, wann der Lohn derDienstboten ausbezahlt werden soll, am besteil alle Mo-nate, denn die meisten können nicht lange darauf war-ten und kommen dam? zu unbestimmten Zeiten, um sichGeld geben zu lassen, welches die Herrschaft belästigtund außerdem das Unangenehme hat, daß die Dienst-boten bei der Abrechnung oft meinen, weniger erhaltenzu haben, als angeschrieben ist.
Was Geschenke an Dienstboten betrifft, zu Weihnachten,Neujahr oder wie es die Ortssitte mit sich bringt, da halteman sich möglichst, jedoch selbstredend stets nach den eigenenVerhältnissen, an diese Ortssitte, aber, wenn man meineralten Erfahrung glauben will, so gebe man nur Geld; zu-frieden sind die Beschenkten fast nie, sagt doch Göthe:
„Ist dein Geschenk Wohl angekommen?
„Sie haben es eben nicht übel genommen."