94 Tie Dienstboten.
halten, als die Herrschaft, welche so mancherlei zu be-denken hat und es geht dann auch noch das Ansehender Herrschaft verloren, das Einzige, womit heutzutagenoch einigermaßen zu herrschen ist. Man bedenke da-bei, wie viele Gegenstände es auch im einfachsten Haus-halte giebt, woran der Ungehorsam sich versuchen kann,wenn er nicht von Ansang an kräftig niedergehaltenwird. Das beste Mittel ist dann innner, alles, nichtnach Befehl ausgeführte, augenblicklich ändern zulassen, ohne viele Worte zu machen, die zu gar nichtsnützen, als etwa wieder Worte hervorzurufen.
„Ein Knecht lasset sich mit Worten nicht züchtigen, denn„ob er's gleich versteht, nimmt er sich's doch nicht an," sagtder weise Salomo.
Am meisten aber hüte sich die Herrschaft vor ver-letzenden Worten gegen ihre Dienstboten, die nur un-nötiger Weise erbittern und so durchaus gegen die Würdeeiner Herrschaft sind und beherzige das Wort des Apo-stels Paulus an die Eltern, welches sich auch auf dieHerrschaften anwenden läßt:
„Und ihr Väter, reizet enre Kinder nicht znm Zorne,„sondern ziehet sie auf in der Znchtnnd Vermahnnng des Herrn."
Ferner: „Ihr Knechte seid gehorsam enren leiblichen Her-„ren, mit Fnrcht nnd Zittern, in Einfältigkeit eures Herzens,„als Christo. — Nicht mit Dienst vor Augen, als den Men-schen zu gefallen, sondern als die Knechte Christi, das; ihr„solchen Willen Gottes thnt von Herzen mit gutem Willem
„Lasset euch dünken, daß ihr dem Herrn dieut nud nicht„den Menschen.
„Und wisset, was ein jeglicher Gutes thuu wird, das wirb„er von dem Herrn empfahn, er sei ein Knecht oder ein Freier.
„Und ihr Herren, thnt auch daSselbige gegen ihnen und„lasset das Dräuen: und wisset, daß auch euer Herr im Him-„mel ist und ist bei ihm kein Ansehen der Person."
Ebenso hüte man sich vor leeren Drohungen, An-drohung von Strafen, die nachher nicht vollzogen wer-den und denke an Geibel's Worte:
Leeres Drohen, schlechter Brauch,
Wird des Feindes Hohn mir schärfen,
Kannst du keine Blitze werfen,
Freund, so laß das Donnern anch.