z 2 Einleitung.
„Mir vertran'u Sinnsprüche die sieben Denker
„Griechenlands, goldlanter fürwahr nnd kerichaft;
„Aber: Nichts Aufschieben! den Spruch erfand ich
„Selber, der Achte."
Und es mag, für das gewöhnliche Leben, dieser Sprnchallerdings wohl mehr Wert haben, als die Sprüche dersieben Weisen, denn unzählig sind die Verdrießlichkeiten,welche durch das leidige „Ausschieben" entstehen. Manverschiebt nötige Reparaturen und muß nachher dafürneues anschaffen. Man verschiebt nötige Arbeiten undsie wachsen uns hernach über den Kopf oder es verur-sacht fönst Schaden, indem z. V. nicht zur Zeit besorgteVorräte verderben, nicht zur Zeit verschlossene Vorrätegestohlen werden. („Ich sitze so gut," sagte eine jungeFrau, als ihr ein Warenvorrat gebracht wurde, ver-schob das Nachwiegen und Verschließen und fand nach-her einen nicht unbedeutenden Abmangel.) Nicht zur Zeitverwahrte Kleidungsstücke leiden durch Herumfahren mehrals durch den Gebrauch, nicht zur Zeit begossene Blumenvertrocknen. Die Besorgung der Haustiere und nament-lich der Vögel in den Käfigen zu verschieben und viel-leicht hernach zu vergessen, wodurch diese armen Gefan-genen oft zu Gründe gehen, ist zu traurig und zu em-pörend, als daß mir dabei verweilen möchten, aber mangedenke des Spruches: „Kauft man nicht zween„Sperlinge um Einen Pfennig? Doch fällt der-selben keiner aus die Erde, ohne Euren Vater."Man verschiebt ferner notwendige Besuche und erregtEmpfindlichkeiten, wird infolge davon vielleicht einmalnicht eingeladen oder sonst vernachläßigt uud hat Verdruß;verschiebt die Beantwortung von Briefen und hat da-durch abermals oft Verdruß, Vorwürfe und Entfrem-dungen und manchmal großen Schaden; man verschiebtunliebsame Erörterungen und es entstehen Erbitterungenund Feindschaften, die durch ein Wort zur Zeit vermie-den werden konnten n. f. w. u. f. w. Daher gehe mandoch immer frisch cm's Werk und verschiebe, was man