Einleitung. 5
„viele Erdensorgen, daß ihr kein Sinn für das Hohe„und Himmlische bleibt."
Frau Lina Morgenstern, welche in Berlin eineKochschule gegründet, sprach sich bei einer in derselben1881 stattgehabten, vorzüglich bestandenen Prüfung derSchülerinnen noch folgendermaßen über die Wichtigkeitdes Kochenlernens aus: „Die Kochschule habe, außer der„praktischen Ausübung der Kochkunst, den bestimmten„Zweck, die Schülerinnen auf die Wichtigkeit der Er-nährung für die Gesundheit und Erhaltung des Kör-„pers anzuweisen und sie mit der Lehre von den Nah-rungsmitteln und deren Mischung so bekannt zu machen,„daß sie auch imstande sind, bei der Speisezubereitung,„auf die Gesundheit und besondere Beschaffenheit ein-zelner Familienglieder, deren Sorge ihnen anvertraut„ist, Rücksicht zu nehmen. Ferner wurde besonders„Bedacht genommen, zu belehren über die Bedeutung„der wirtschaftlichen Grundlagen: Reinlichkeit, Ordnung,„Zeit und Arbeitsteilung, Pünktlichkeit und Berechnung„bei Einkauf und Verbrauch, Sparsamkeit bei Verwen-dung der Stoffe und Reste u. f. w."
Uebrigens aber machen sich die, eingangs scherzhafterwähnten Unkenntnisse und Kenntnisse in der Wirk-lichkeit bei weitem nicht so komisch, sondern oft rechttraurig und ich habe so häufig die Klagen von jungen,hilflosen Frauen gehört und bin von ihnen um Rat ge-beten worden, daß ich mir endlich dachte, es möchtevielleicht nicht ohne Nutzen sein, wenn ich das, so un-zähligmündlich Angerateue, nun auch einmal niederschriebe.
Die meisten jener Klagen betrafen, daß das Haus-haltungsgeld zu früh aufgehe und der Mann darübersehr unzufrieden fei; unzufrieden ferner über schlechteKüche und über Unpünktlichkeit, denn diese Uebel-stände pflegen den Herren der Schöpfung zumeist in dieAugei: zu fallen, weil zunächst ihr eigenes Wohlbefindendarunter leidet, doch trägt an dein ersten Punkt, demHaushaltungsgeld, die junge Frau selten allein die