4 Einleitung.
Gleichwohl zeigen viele Beispiele, daß weder hoherNang noch höhere Bildung die Wertschätzung, beziehungs-weise Ausübung häuslicher Fertigkeiten ausschließen: Vonder so früh verewigten Herzogin Sophie in Bayern wirddurch Augenzeugen erzählt, daß sie, obwohl reich begabt,„eine echte Tochter ihres gelehrten Vaters", des KönigsJohann von Sachsen, so viel Sinn für häusliche Ange-legenheiten besaß, daß sie für ihr einjähriges Töchterchen,schon darauf Bezug habende Spielsachen angesammelthatte: „Die reizendste Küche im kleinen und ein„Trockenplatz für Wäsche. In der Küche das zierlichste„Kochgeschirr, ein Herd voller Töpfchen und Kasserölchen.„Noch niedlicher war der Trockenplatz, mit Waschzubern„und Butten, wie sie in Dresden gebräuchlich sind, und„die zierlichste Puppenwäsche an den Schnüren und es„war ein ergreisendes Bild, diese einfachen Spielsachen,„welche die untergeordnetsten, aber unumgänglich nötigen„Beschäftigungen des häuslichen Lebens vor Augen fichr-„ten. Man fühlte da die tiefe Bedeutung, welche die„junge Fürstin damit verbunden hatte, als sie so früh-zeitig daran dachte, den Sinn ihres hochgeborenen„Kindes auch auf diese einfachen, schlichten Beschäftigungen„des Lebens zu lenken, auf denen, wie untergeordnet sie„auch sein mögen — doch einmal der Bau des deut-schen Hauses mit beruht."
Mir schrieb kürzlich eine namhafte, belletristischeSchriftstellerin in Berlin, bei Gelegenheit eines Koch-buchs: „Haushalten und kochen ist meine praktische„Seite und seit fünfundzwanzig Jahren immer mit„großer Vorliebe von mir betrieben. Es kommt auch„heute nichts auf den Tisch sür meinen Gatten und mich,„was ich nicht selbst zubereite," und Frau Fanny„Ewald läßt sich also vernehmen: „Der wahre Idea-lismus beruht zum großen Teil auf dem Einmaleins;„die Frau, welche nicht bedenkt, daß sie drei nicht von„zwei abziehen kann und daß sie mit 3^ Pfennig täglich„die Jahreszinsen von 300 Mark ausgiebt, bekommt so