406
Suppe für Kranke.
3. Suppe für Kranke.
Man nimmt zu einer Portion dieser Fleischbrühe einhalb Pfund Fleisch von einem frisch geschlachteten Thiere(Rind- oder Hühnerfleisch), hackt es fein, mischt es mit einund ein achtel (l'/s) Pfund destillirtem Wasser, dem manvier Tropfen reine Salzsäure und */ 2 bis 1 Quentchen Koch-salz zugesetzt hat, gut durcheinander. Nach einer Stundewird das Ganze auf ein kegelförmiges Haarsieb, wie manin allen Küchen hat, geworfen, und die Flüssigkeit ohne An-wendung von Druck oder Pressung abgeseiht. Den zuerstablaufenden trüben Theil giesst man zurück, bis die Flüs-sigkeit ganz klar abfliesst. Auf den Fleischrückstand imSiebe schüttet man in kleinen Portionen ein halb Pfund de-stillirtes Wasser nach. Man erhält in dieser Weise etwaein Pfund Flüssigkeit (kalten Fleischextract) von rotherFarbe und angenehmem Fleischbrühgeschmack. Man lässtsie den Kranken kalt tassenweise nach Belieben nehmen.Sie darf nicht erhitzt werden, denn sie trübt sich in derWärme und setzt ein dickes Gerinnsel von Fleischalbuminund Blutroth ab.
Die Erkrankung eines jungen achtzehnjährigen Mäd-chens in meinem Hause am Typhus gab Veranlassung zudieser Zubereitung; sie wurde durch die Bemerkung meinesHausarztes (Dr. Pfeufer) hervorgerufen, dass in einem ge-wissen Stadium dieser Krankheit die grösste Schwierigkeit,die sich dem Arzte darbiete, in der mangelhaften Verdau-ung liege, eine Folge des Zustandes der Eingeweide, undnoch ausserdem an dem Mangel an einem zur Blutbildung undVerdauung geeigneten Nahrungsmittel. In der gewöhnli-chen, durch Kochen bereiteten Fleischbrühe fehlen in derThat alle diejenigen Bestandteile des Fleisches, die zurBildung des Blutalbumins nothwendig sind, und das Eigelb,welches hinzugesetzt wird, ist sehr arm an diesen Stoffen,denn es enthält im Ganzen 82 1 / 2 Proc. Wasser und Fett undnur lT^Proc. an einer dem Eieralbumin gleichen oder sehr