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Physiologie des Geschmacks oder Physiologische Anleitung zum Studium der Tafelgenüsse
Entstehung
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Frau Prot.

Herr Amondru, dessen Namen ich hier mit vielem Ver-gnügen erwähne, hatte viele Mühe, ihn zur Annahme eine?Abendessens zu bewegen, bei dem ich mich ebenfalls ein-finden sollte. Er kam zwar, begrüsste mich aber in einerArt, die mich bei Weitem nicht zufrieden stellte.

Etwas besser wurde ich von Frau Prot empfangen, derich meinen Kratzfuss machte. Die Umstände, unter welchenich mich vorstellte, erregten bei ihr wenigstens ein In-teresse der Neugierde.

Nach dem ersten Worte fragte sie mich, ob ich die Mu-sik liebe. Unverhofftes Glück! Sie schien den grössten Ge-nuss daran zu finden, und da ich selbst ein guter Musikerbin, so waren unsere Herzen gleich auf den Einklang ge-stimmt.

Wir sprachen davon vor dem Essen und gingen gründ-lich auf die Sache ein. Sie sprach mir von den neuestenWerken über Compositum, ich kannte sie alle; — sie sprachmir von den beliebten Opern, ich wussto sie auswendig; —sie nannte mir die bekanntesten Componisten, ich hatte diemeisten personlich gesehen. Sie konnte nicht aufhören,denn seit langer Zeit hatte sie Niemand angetroffen, mitdem sie über diesen Gegenstand hätte sprechen können, densie als Liebhaberin zu behandeln schien, während ich spä-ter erfuhr, dass sie Gesanglehrerin gewesen sei.

Nach dem Essen Hess sie ihre Notenhefte holen, siesang, ich sang, wir sangen; ich hatte niemals mehr Eifergezeigt, niemals mehr Vergnügen empfunden. Herr Prothatte schon mehrmals nach Hause gehen wollen, sie kehrtesich aber nicht daran und wir schmetterten wie zwei Trom-peten das Duett aus der „Falschen Magie":

„Erinnerst du dich jenes Festes?" —als Herr Prot endlich den Befehl zum Rückzug ertheilte.

Man musste wohl enden, aber im Augenblicke, wo wirAbschied nahmen, sagte Frau Prot zu mir: „Bürger, manverräth sein Land nicht, wenn man wie Sie die schönenKünste übt. Ich weiss, dass Sie etwas von meinem