Druckschrift 
Physiologie des Geschmacks oder Physiologische Anleitung zum Studium der Tafelgenüsse
Entstehung
Seite
374
Einzelbild herunterladen
 

1

374 Impromptu.

trefflichem Kaffee gekrönt, den der lustige Ziegler selbstmachte, wobei er uns auch gewisse Liköre von Verdun zumBesten gab, die er aus einer Art Beliquienschrank hervor-zog, von dem er allein den Schlüssel hatte.

Das Essen war nicht allein sehr gut, sondern auch sehrfröhlich.

Nachdem man mit Umsicht von den Angelegenheitendes Landes gesprochen hatte, neckten sich die Herren mitWitzen, die mir einen Theil ihrer Lebensgeschichte ent-hüllten. Sie sprachen sehr wenig von dem Geschäfte, dassie vereinigt hatte, dagegen erzählte man einige gute Ge-schichten, sang einige Lieder. Ich selbst sang einige neueVerse und machte sogar ein Impromptu, das der Gewohn-heit gemäss grossen Beifall fand. Hier ist es:

Find' ich auf Beisen zu meinem Segen

Fröhliche Gesellen allerwegen,

So jauchze ich vor Seligkeit!

Könnte ich es fort so treiben,

Würde ich bei ihnen bleiben

Stets in Freud' und Fröhlichkeit

Sieben Tage,

Vierzehn Tage,

Dreissig Tage,

Ein ganzes Jahr,

Und mein Schicksal würd' ich segnen!

Wenn ich diese Strophe hier anführe, so geschieht esnicht, weil ich sie für gut halte, — ich habe Gott sei Dankschon bessere gemacht und hätte auch diese verbessernkönnen, aber ich zog es vor, ihr den Charakter des Gele-genheitsgedichtes zu lassen, um meinen Lesern das Zuge-ständniss abzulocken, dass Derjenige, welcher mit einem Ke-volutionscomite auf dem Halse so lustig sein konnte, ganzgewiss den Kopf und das Herz eines Franzosen habenmusste.

Wir sassen wohl schon vier Stunden bei Tische, als man