372
Mittagessen.
I
jenen kleinen Regenpfeifern mit grünen Füssen, die immerbo fett sind. Dieses ausgezeichnete Wildpret träufelte sei-nen Saft auf eine ungeheure Brotkruste, deren Anfertigungeine Jägerhand verrieth, und daneben stand ein schon ge-bratener junger Hahn mit runden Rippen, wie die Parisersie gar nicht kennen, und deren Duft eine Kirche durchräu-chern könnte.
„Gut," sagte ich zu mir selbst, neubelebt bei diesem An-blicke, „die Vorsehung verlässt mich nicht ganz; pflückenwir noch dies Blümchen am Wege, zum Sterben ist immernoch Zeit."
Während dieser Betrachtung spazierte der riesengrosseGastwirth, die Hände auf dem Rücken, in der Küche umherund pfiff sich ein Liedchen. Ich wandte mich an ihn.„Mein Lieber," sagte ich, „Sie können mir doch was Guteszum Mittagsessen gebenV" — „Lauter gute Dinge," antwor-tete er, „gutes Rindfleisch, gute i Kartoffelsuppe, eine guteSchafschulter und gute Bohnen."
Bei dieser unerwarteten Antwort lief ein Schauder derEnttäuschung dur^h meine Glieder. Ich esse bekanntlich-gar kein Rindfleisch, weil es nur Faser ohne Saft ist. Kar-toffeln und Bohnen machen fett. Ich hatte keine Zähnevon Stahl, um den dürren Schöpsenbraten zu zerreissen.Ein solcher Speisezettel musste mich trostlos machen. Meinganzes Unglück fiel auf mein Haupt zurück.
Der Gastwirth betrachtete mich wie ein Duckmäuser,und schien die Ursache meines Verdrusses zu errathen.„Wem ist denn all dies schöne Wildpret bestimmt?" sagteich mit ärgerlichem Tone.—„Ach, lieber Herr," antworteteer theilnehmend, „ich kann nicht darüber verfügen. Es ge-hört Herren vom Gerichte, die seit zehn Tagen hier sind,um einen Augenschein aufzunehmen, der eine sehr reicheDame betrifft. Sie sind gestern fertig geworden und feiernheute dies glückliche Ereigniss mit einer Mahlzeit. Wirnennen dies hier den Aufstand." — „Herr Wirth," antwor-tete ich nach einigem Kachdenken, thun Sie mir den Ge-