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Physiologie des Geschmacks oder Physiologische Anleitung zum Studium der Tafelgenüsse
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Dessert.

bereitet ihn ausgezeichnet, und wer ihn noch gekostet hat,belobt sie." „Das wundert mich nicht," antwortete MadameRecamier, „die Schüssel sieht sehr appetitlich aus, ich habeauf unseren weltlichen Tafeln noch keine ähnliche gesehen."

Dann kam der Salat. Ich empfehle ihn Allen, welcheZutrauen zu mir haben wollen. Der Salat erfrischt, ohnezu schwächen, stärkt, ohne zu reizen; ich pflege zu behaup-ten, dass er verjüngt.

Das Miltagsessen unterbrach die Unterhaltung nicht.Man sprach von dem Geschäfte, welches den Besuch herbei-geführt hatte, von dem Kriege, der damals wüthete, von denHoffnungen der Kirche und den Weltbegebenheiten und vonähnlichen Dingen, die ein schlechtes Mittagsessen vorüber-gehen lassen und ein gutes verschönern.

Das Dessert kam zur rechten Zeit, ein Käse von Sept-moncel, drei Calvilleäpfel und ein Topf Eingemachtes.

Dann schob die Magd ein kleines rundes Tischchen her-bei, einen Gueridon, wie sie damals im Gebrauch waren, aufwelchen sie eine Tasse heissen, klaren Kaffees setzte, dessenGeruoh das Zimmer erfüllte.

Der Pfarrer sprach sein Gratias, nachdem er ihn ge-schlürft hatte, und sagte beim Aufstehen: „Ich trinke nie-mals Likör, es ist das ein Ueberfluss, den ich meinenGästen anbiete, selbst aber nicht anrühre. Ich behalte

daun in Amigne, dann in Feuerwein, bitterem Malvoisie, noch vielzu wenig im Auslande bekannten Produeten der herrliehen Wein-berge des Alpenthals, und fuhren jubelnd auf offenem Wägelchenbei sternenheller Mondnacht nach Sitten zurück.

Als aber der Braten mit Hochgenuss und allgemeinem Beifallverzehrt war, hatte sich der Wirth, die Mütze in der Hand, de-müthig unserer Reisegesellschaft genähert uud mit schalkhafterMiene gesagt: „Soll icli nun noch die Ochsenaugen bringen?"

Unser Reisemarschall war beschämt, und suchte seine Verwirrnngdamit zu bemänteln, dass er mit donnernder Stimme den „Sire deFramboisy" anstimmte, eine damals beliebte , stundenlange Romanze,die selbst bei unserer Ankunft in Sitten noch nicht vollständig be-endet war. C. V.