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Physiologie des Geschmacks oder Physiologische Anleitung zum Studium der Tafelgenüsse
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Eierkuchen.

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Nach dieser ersten Schüssel machte sich der Pfarrer anden Eierkuchen, der rund, dickbauchig und wohlbereitet er-schien.

Beim ersten Löffelzuge Hess der Wanst eine dicke Brühehervorfliessen, die dem Auge und dem Gerüche schmeichelte.Die Schüssel lief übervoll, und unsere liebe Juliette gestandein, dass das "Wasser ihr im Munde zusammenlief.

Diese sympathische Bewegung entging dem Pfarrer nicht,der gewöhnt war, die Leidenschaften der Menschen zu be-obachten, und indem er eine Frage zu beantworten schien,die Madame Kecamier sich wohl gehütet hatte zuthun, sagteer: „Es ist ein Eierkuchen mit Thunfisch; meine Köchin*)

*) In katholischen Ländern sind ohne Zweifel die Pfaffenköehin-nen die Inhaberinnen des feinsten Cultus der Delicatesse.

Es war an einem schönen Sommertage. Wir hatten ein Kohlen-bergwerk in Wallis besucht und sollten in einer kleinen Kneipe,die am Wege lag, zu Mittag essen. Das Haus versprach so wenig,dass Einer von uns als besorgter Reisemarschall bei der Bestellungdes Essens vor unserem Ausmarsche etwas zurückblieb, und demWirthe anbefahl, jedenfalls eine Schüssel „Ochsenaugen" (Eier aufder Pfanne) nicht zu vergessen.

Als wir nach ermüdendem Marschiren und Klettern durch Felsenund Gestrüpp wieder zurückkehrten, empfing uns ein trauliches,gut durchlüftetes, kühles Zimmer, worin das blendende Sonnenlichtdurch Schalter gemildert war, ein reinlich gedeckter Tisch mitstrahlend weissem Linnen und silbernen Gedecken.

Bald erschien das Essen. Eine Krebssuppe, die eine längst be-grabene Liebe zum Leben hätte erwecken können; eine Forelle ausdem Turtmannbache, auf deren Rücken die Tropfen des Wasser-falles in gelben, blauen und rothen Flecken ankrystaliisirt schienen,das Fleisch gelb wie eine Orange von Messina eine Hühner-fricassee, mit Trüffeln und Champignons in rührendem Vereine, undals Braten ein herrlicher Birkhahn, mit dem blau schillernden Halseund dem leierförmigen Schwänze, zierlich aufgezäumt, wie wenn erlebte, und auf dem Punkte der höchsten Schmackhaftigkeit.

„Die Köchin hier ist die berühmteste Pfaffenköchin im Lande,"sagte unser Walliser Führer; — „sie war beim Bischof lange inDiensten und Se. Hochwürden möchten sie gerne wieder haben!"

Wir Hessen die Pfaffenköchinnen leben, zuerst in Gletscherwein,

Brillat-Savarin, Physiologie des Geschmacks. 20