Druckschrift 
Physiologie des Geschmacks oder Physiologische Anleitung zum Studium der Tafelgenüsse
Entstehung
Seite
207
Einzelbild herunterladen
 

Uebermaass.

207

Der menschliche Körper ersetzt vieles während desSchlafes und verliert zu gleicher Zeit wenig, weil die Mus-kelthätigkeit aufgehoben ist. Man müsste demnach den ge-wonnenen Ueberfluss durch Bewegung ausdünsten, aber daman lange schläft, so begrenzt man auf diese Weise auchdie Zeit, wo man thätig sein könnte.

Die Langschläfer scheuen vor Allem zurück, was nurden Schatten einer Ermüdung bringen könnte. DerUeberschuss der Assimilation wird also von dem Kreislaufeweggeführt, der sich durch einen Process, den wir nochnicht genau kennen, mit einigen hundert Theilen von "Was-serstoff mehrt, belebt und auf diese Weise das Fett bildet,welches durch dieselbe Kreislaufbewegung in den Kapselndes Zellgewebes abgesetzt wird.

Forbsetzung.

103. Eine letzte Ursache der Fettleibigkeit liegt inübermässigem Essen und Trinken.

Man hat mit vollem Rechte behauptet, dass eines derPrivilegien des Menschen darin bestände, dass er ohne Hun-ger essen und ohne Durst trinken könne, und in der Thatkann dieser Vorzug den Thieren nicht zustehen, denn erentsteht aus der Reflexion über das Tafelvergnügen undaus der Begierde, dasselbe zu verlängern *).

Ueberall, wo man Menschen fand, zeigte sich auch diesedoppelte Neigung, und bekanntlich fressen die Wilden über-mässig und berauschen sich bei jeder Gelegenheit bis zurVerthierung.

Was uns Bürger zweier Welten betrifft, die wir auf derHöhe der Civilisation zu stehen glauben, so essen wir ganzgewiss zu viel. Ich sage dies nicht für die kleine Zahl der-jenigen, die, durch Geiz oder Noth gedrängt, allein und zu-rückgezogen leben; die Ersteren freuen sich des Zusammen-

*) Fleischfressende Thidre besonders fressen häufig über denHunger; — dass sie nicht über den Durst trinken, kommt einfachdaher, weil ihr einziges Getränk AVasser ist. C. V.