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Physiologie des Geschmacks oder Physiologische Anleitung zum Studium der Tafelgenüsse
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Schlaf kein Tod.

nicht, so ist doch im Allgemeinen das Bedürfniss nach Schlafebenso herrisch als Hunger und Durst. Die Vorposten derArmeen schlafen oft ein, trotzdem dass sie sich Schnupfta-back in die Augen streuen; und Pichegru, von Bonaparte'sPolizei verfolgt, zahlte 30,000 Franken für eine einzigeNacht, in der er schlafen wollte, aber verkauft und ausge-liefert wurde.

Definition.

86. Der Schlaf ist ein Schlummerzustand, in welchemder Mensch nur mechanisch fortlebt und von der Aussen-welt durch die nothwendige Unthätigkeit seiner Sinne ab-geschlossen ist.

Der Schlaf wird wie die Nacht von zwei Dämmerungeneingeleitet und beendet, von denen die erste zur völligenUnthätigkeit, die letztere zum thätigen Leben führt.

Untersuchen wir die verschiedenen Erscheinungen.

Im Augenblicke wo der Schlaf beginnt, werden die Sinnenach und nach unthätig; zuerst der Geschmack, dann dasGesicht und der Geruch; das Ohr wacht noch eine Zeitlang, das Gefühl immer; es benachrichtigt uns durch denSchmerz von den Gefahren, die dem Körper drohenkönnen.

Dem Schlafe geht stets eine mehr oder minder wollü-stige Empfindung voraus; der Körper überlässt sich ihr umso eher, als ein schneller Ersatz gesichert ist; und die Seelegibt sich mit Vertrauen hin, weil sie hofft, dass die Mittelihrer Thätigkeit bald wieder aufgefrischt werden.

Gelehrte ersten Ranges haben den Schlaf nur deshalb mitdem Tode verglichen, weil sie diese doch so positive Empfin-dung nicht gewürdigt haben; während jedes lebende Wesendem Tode mit aller Kraft widersteht, derüberdem so eigen-thümliche Erscheinungen zeigt, dass selbst die Thiere davorzurückschaudern.

Der Schlaf kann, wie alle Genüsse, zur Leidenschaft wer-den; es gibt Leute, die drei Viertheile ihres Lebens ver-