Einfuhr.Sechzehnte Betrachtung.
Von der Verdauung.
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79. Man lebt nicht von dem, was man isst, sagt einaltes Sprichwort, sondern von dem, was man verdaut. Manrauss also verdauen, um zu leben — unter diese Notwen-digkeit beugt sich Arm und Keich, Bettler und König.
Wie wenige aber wissen, was sie thun, wenn sie ver-dauen! Die Meisten sind wie Hr. Jourdain im Moliere'-schen Lustspiel, der Prosa sprach, ohne es zu wissen; fürdiese schreibe ich eine populäre Geschichte der Verdauung,denn ich bin überzeugt, dass Hr. Jourdain weit zufriedenerwar, nachdem ihn der Philosoph belehrt hatte, dass er wirk-lich Prosa spreche.
Um die Verdauung im Ganzen zu kennen, muss manihre Vorgänge und ihre Folgen mit betrachten.
Einfuhr.
80. Appetit, Hunger und Durst belehren uns, dass derKörper das Bedürfniss des Ersatzes fühlt und der Schmerz,dieser allgemeine Wecker, quält uns sehr bald, wenn wirnicht gehorchen wollen oder können.
Dann beginnt das Essen und Trinken oder im Allge-meinen die Einfuhr, die man von dem Augenblicke an zählenkann, wo die Nahrungsmittel in den Mund gelangen, bis zudemjenigen, wo sie in den Schlund schlüpfen.*)
Auf diesem Wege, der nur einige Zoll lang ist, ereignensich mancherlei Dinge.
Die Zähne zertheilen die festen Nahrungsmittel; dieSpeicheldrüsen im Inneren des Mundes befeuchten sie; die
*) Schlund heisst der hinter der Luftröhre gelegene Canal, dervon der Rachenhöhle (dem hinteren Theile der Mundhöhle) zumMagen führt; sein oberes Ende heisst der Schlundkopf.