1G8
Jagd nach dein Mahle.
Warum sollte man auch beim Abschiede nicht mit demKönig der Jagd einige Küsse tauschen, weil er in seinemganzen Ruhme strahlt; mit dem Pudeler, weil er unglücklichwar und mit den Anderen, um Niemand eifersüchtig zumachen? Man trennt sich, der Brauch will es so; es isterlaubt und selbst geboten.
Kameraden! Vorsichtige Jäger, die ihr aufs Kernhaftezielt, schiesst gut und besorgt eure Waidsäcke, ehe dieDamen kommen! Die Erfahrung hat gelehrt, dass nachihrer Abfahrt die Jagd selten ergiebig ist.
Man hat verschiedene Annahmen versucht, um dieseWirkung zu erklären; die Einen schreiben sie auf Rechnungder Verdauung, welche den Körper stets ein wenig schwermacht; die Anderen auf die Zerstreuung, welche die Auf-merksamkeit theilt; noch Andere auf vertrauliche Zwiege-spräche, welche die Lust aufkeimen lassen, so schnell alsmöglich heimzukehren.
Was uns betrifft,„In deren tiefstem Herzen der Blick noch lesen kann,"wir denken, dass, da das Alter der Damen im aufsteigendenSterne steht und die Jäger entzündlichen Stoffes sind, beider Begegnung jedenfalls einige Liebesfunken entstehen müs-sen, welche die keusche Diana scheuchen, so dass sie den Feh-lenden für den Rest des Tages im Unmuth ihre Gunst entzieht.
Wir sagen „für den Rest des Tages", denn die GeschichteEndymions hat bewiesen, dass die Göttin nach Sonnenunter-gang durchaus nicht streng ist. (Man sehe das Gemäldevon Girodet.)
Die Jagdmahle sind übrigens ein noch ganz jungfräu-licher Gegenstand, den wir nur leise und im Vorübergehenberührt haben; sie könnten zu einer ebenso lehrreichen alsamüsanten Abhandlung den Stoff liefern. Dem einsichts-vollen Leser, der sich damit beschäftigen will, sei dieserStoff überlassen.