152 Bestimmung des Menschen.
Dieser Spruch des Geschickes wird noch in seiner Aus-führung durch eine Menge von Krankheiten erschwert, welcheeine Folge der gesellschaftlichen Gewohnheiten sind, so dassalso das lebhafteste und innigste Vergnügen die fürchter-lichen Schmerzen nicht aufwiegen kann, welche bei gewissenKrankheiten auftreten, wie Gicht, Zahnweh, Rheumatismusund Harnverhaltung, oder die auch bei gewissen Völkerndurch die gebräuchlichen Strafen erzeugt werden.
Diese thatsächliche Furcht vor dem Schmerze ist auch derGrund, dass der Mensch, selbst ohne es zu merken, sich mitHeftigkeit auf die entgegengesetzte Seite wirft und derkleinen Zahl von Vergnügungen sich gänzlich hingiebt, welcheihm die Natur zugetheilt hat.
Aus demselben Grunde vermehrt, verlängert, verändertder Mensch diese Vergnügungen und betet sie zuletzt an,wie denn zur Zeit des Götzendienstes und während einerlangen Reiho von Jahrhunderten alle Vergnügungen niederenGottheiten geweiht und höheren Göttern untergeordnet waren.
Die Strenge der neueren Religionen hat all' diese Gott-heiten zerstört; Bacchus, Amor, Comus, Venus und Dianasind nur noch dichterische Erinnerungen; aber die Sachebesteht fort und selbst unter der Herrschaft der ernstestenGlaubensformen speist man bei Gelegenheit der Heirathen,Taufen und selbst der Begräbnisse.
Ursprung des Tafel Vergnügens.
72. Die Mahlzeiten in unserem Sinne beginnen erst mitdem zweiten Zeitalter der Menschengattung, das heisst vondem Augenblicke an, wo sie sich nicht mehr von Früchtennährte. Die Zubereitung und Vertheilung des Fleischesbedingte die Vereinigung der Familie, deren Häupter denKindern das erjagte Wild vertheilten und die erwachsenenKinder leisteten später denselben Dienst ihren alten Eltern.
Diese Vereinigungen, die sich Anfangs auf die nächstenVerwandten beschränkten, dehnten sich später auf Fachbarnund Freunde aus.