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Physiologie des Geschmacks oder Physiologische Anleitung zum Studium der Tafelgenüsse
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Anekdote.

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Der Grund dieses Unterschiedes liegt darin, dass derHungernde nur an Erschöpfung und Schwäche stirbt, wäh-rend der Durstende von einem Fieber ergriffen wird, dasihn verzehrt und stets sich steigert*).

Man widersteht nicht immer so lange dem Durste, undim Jahre 1787 starb ein Schweizer von der Leibgarde Lud-wig's des Sechzehnten, weil er sich nur während 24 Stundendes Trinkens enthalten hatte.

Der Mann war mit einigen seiner Cameraden in derKneipe und als er sein Glas hinhielt, warf ihm einer dersel-ben vor, dass er häufiger als alle Andern trinke und sichnicht einen Augenblick enthalten könne.

Daraufhin wettete der Mann, dass er 24 Stunden langsich des Trinkens enthalten wolle. Die Wette wurde ange-nommen; — es galt 10 Flaschen Wein.

Von diesem Augenblicke an hörte der Soldat auf zutrinken, blieb aber noch zwei Stunden bei den Andern sitzen,indem er ihnen zusah.

Die Nacht ging, wie man glauben kann, gut vorüber, aberbei Tagesanbruch kam es ihn sehr hart an, sein Glas Brannt-wein, woran er gewöhnt war, nicht nehmen zu dürfen.

Während des ganzen Morgens war er unruhig und ver-stört. Er ging hin und her, setzte sich und stand wiederauf, ohne Grund, und sah aus, als wisse er nicht was an-fangen.

Um ein Uhr legte er sich, indem er Ruhe zu findenhoffte; er war wirklich leidend und wirklich krank, abervergebens bot ihm seine Umgebung zu trinken an, er meinteso bis zum Abend gehen zu können; er wollte die Wettegewinnen und vielleicht auch aus militärischem Stolze demSchmerze nicht nachgeben.

So ging es bis um 7 Uhr, aber um halb acht wurde er

*) Da die Athemluft, die man ausstösst stets mit Wasserdampfgesättigt ist, so führt jeder Atherruug eine bestimmte QuantitätWasser fort und verursacht so einen stets sieh steigernden Verlustder Flüssigkeiten des Körpers. C. V,