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Physiologie des Geschmacks oder Physiologische Anleitung zum Studium der Tafelgenüsse
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Brennender Durst.

II

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man erst dann zu trinken aufhört, wenn das Getränke fehltoder wenn es den Trinker besiegt und zu Boden gestreckt hat.

Wenn man den Durst nur mit reinem Wasser stillt, dasseine natürliche Gegengabe zu bilden scheint, so trinkt mannie einen Schluck über das Bedürfniss.

Der brennende Durst kommt von der Vermehrung desBedürfnisses und von der Unmöglichkeit, den stillen Durstzu befriedigen.

Er heisst brennend, weil er von Trockenheit der Zungeund des Gaumens und von einer verzehrenden Hitze imganzen Körper begleitet ist.

Das Gefühl des Durstes ist so lebhaft, dass das Wortfast in allen Sprachen gleichbedeutend ist mit einem ausser-ordentlichen Gelüste oder einem gebieterischen Verlangen.So spricht man vom Durst nach Gold, nach Reichthum, nachMacht, nach Bache — alles Ausdrücke, die nicht gebräuch-lich geworden wären, wenn es nicht genügte, ein einzigesMal in seinem Leben rechten Durst gehabt zu haben, umihre Berechtigung anzuerkennen.

Der Appetit ist von einem angenehmen Gefühl begleitet,wenn er nicht bis zum Hunger geht, der Durst hat keineDämmerung und sobald er sich fühlen lässt, fühlt man auchUnwohlsein, Angst, und diese Angst wird fürchterlich, wennkeine Hoffnung zur Stillung des Durstes vorhanden ist.

Durch eine gerechte Ausgleichung kann aber auch dasTrinken je nach den Umständen uns ausserordentlich lebhafteGenüsse verschaffen, und wenn man einen sehr starken Durststillt oder einem massigen Durste ein ausgezeichnetes Ge-tränk darbringt, so kitzelt dies unsere sämmtlichen Ge-schmackswärzchen von der Spitze der Zunge bis in dieunergründliche Tiefe des Magens.

Man stirbt auch schneller am Durst als am Hunger; mankennt Beispiele von Menschen, die sich länger als acht Tageohne Essen erhielten, wenn sie nur Wasser zum Trinkenhatten, während diejenigen, welche absolut kein Getränkeerhalten können, niemals den fünften Tag überleben.