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Physiologie des Geschmacks oder Physiologische Anleitung zum Studium der Tafelgenüsse
Entstehung
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Wachtel. Schnepfe. Fasan. 69

und man schmeckt ein Vergnügen, unbekannt dem gemeinenVolke:

Odi profanum vulgus et arceo. (Horaz.)(Bleib fern, unheiliger Pöbel, mir.)

Die Wachtel ist unter dem kleinen Federwild das ar-tigste und lieblichste. Eine fette Wachtel gefällt gleicher-maassen durch ihren Geschmack, ihre Gestalt und ihreFarbe. Man verräth eine grosse Unwissenheit, wenn mansie anders als gebraten oder in Papilloten aufträgt, dennihr Duft verfliegt rasch und jedes Mal, wenn der Vogel mitFlüssigkeit in Berührung kommt, löst er sich auf, verduftetund verschwindet.

Die Schnepfe ist ebenfalls ein höchst ausgezeichneterVogel, aber nur Wenige kennen alle ihre Reize. EineSchnepfe strahlt nur dann in ihrem Glänze, wenn sie unterden Augen eines Jägers, ganz besonders aber desjenigenJägers gebraten wird, der sie schoss. Nur dann können dieSchnepfendreck-Brötchen regelrecht angefertigt werden, da-mit der Mund sich mit Wohlgeschmack überschwemme.

Ueber den vorhergehenden, ja über allen anderen Vögelnsteht der Fasan, aber nur wenig Sterbliche wissen ihn zurechter Zeit aufzutragen.

Ein Fasan, der in den ersten.acht Tagen nach seinemTode gegessen wird, wägt weder ein Rebhuhn, noch selbstein Huhn auf, denn sein ganzes Verdienst besteht in seinemArom.

Die Wissenschaft hat die Ausbreitung dieses Aroms stu-dirt, die Erfahrung hat es in Thätigkeit gesetzt und einFasan auf der Polhöhe ist ein Bissen, der höchsten Fein-schmecker würdig.

Man wird im Capitel „Verschiedenes" die Anweisungfinden, einen Fasan „a la Sainte Alliance" zu braten. DerAugenblick ist gekommen, wo diese Methode, bis dahin ineinem kleinen Kreise von Liebhabern concentrirt, sich zumGlücke der Menschheit nach Aussen verbreiten muss. EinFasan mit Trüffeln ist weniger gut, als man glauben sollte;