Truthahnjagd. 65
war besonders durch ihre zugleich liebliche, frische undhelle Stimme angenehm.
Am anderen Morgen nahmen wir trotz der freundlich-sten Einladungen Abschied — denn auch dort hatte ichPflichten zu erfüllen. Während man die Pferde sattelte,zog mich Herr Bulow bei Seite und sagte mir folgendemerkwürdigen Worte:
„Sie sehen in mir, mein lieber Herr, einen glücklichenMenschen, wenn es überhaupt einen unter der Sonne gebenkann; Alles, was mich umgibt und was Sie bei mir gese-hen haben, kommt aus meinen Besitzungen. Diese Strümpfehaben meine Töchter gestrickt; meine Schuhe und Kleiderhaben meine Herden geliefert; mein Vieh, mein Hühner-hof und mein Garten geben mir eine einfache und kräftigeNahrung, und zum Lobe unserer Regierung sei es gesagt,es gibt in Connecticut Tausende von Farmern, ebenso zu-frieden als ich, deren Thüren wie die meinigen keine Schlös-ser haben.
„Die Steuern haben nichts zu bedeuten und sobald siegezahlt sind, können wir auf beiden Ohren schlafen. DerCongress begünstigt unsere aufkeimende Industrie; Händ-ler kreuzen sich nach allen Richtungen und nehmen unsalles Verkäufliche ab, und ich habe noch für lange Zeit Geld,denn ich habe so eben mein Mehl, das ich gewöhnlich für8 Dollars das Fass gebe, für 25 Dollars verkauft.
„Wir verdanken Alles dies der von uns eroberten Frei-heit, die wir auf gute Gesetze gegründet haben. Ich binHerr in meinem Hause, in dem man niemals die Trommelrühren hört und wo man, ausser am 4. Juli, dem glorrei-chen Jahrestage der Unabhängigkeit, weder Soldaten, nochUniformen, noch Bajonette sieht."
Während der ganzen Zeit unserer Rückkehr war ich intiefes Sinnen versunken; vielleicht könnte man glauben, ichhätte mich mit der letzten Rede des Herrn Bulow beschäf-tigt; aber ich dachte an ganz andere Dinge; ich überlegte,wie ich meinen Truthahn könnte zubereiten lassen, und war
Brillat-Savarin, Physiologie des Geschmacks. 5