Geflügel. 57
die Natur den Hühnervögeln verliehen hat; die Kunst hatsich ihrer hemächtigt und wir foltern sie unter dem Ver-wände, sie zu verbessern. Nicht nur beraubt man sie grau-sam der Mittel zur Fortpflanzung, sondern man hält sieauch in der Einsamkeit, wirft sie in Finsterniss, zwingt siezu fressen und bringt sie auf diese Weise zu einer Fett-leibigkeit, die ihnen nicht besÜTnmt war.
Freilich ist es wahr, dass dieses übernatürliche Fett vor-trefflich schmeckt und dass mittelst dieser verdammenswerthenKunstgriffe man dem Geflügel jene Feinheit und Saftigkeitgibt, die es zu den höchsten Genüssen der besten Tafelnmacht.
Das so verbesserte Geflügel ist für die Küche, was dieLeinwand für die Maler und Fortunatus Wünschhütlein fürdie Taschenspieler. Man trägt es gekocht, gebacken, gebra-ten, warm oder kalt, ganz oder in Stücken auf, mit oderohne Sauce, Knochen oder Haut, gefüllt und gestopft, im-mer aber mit gleichem Frfolge.
Brei Provinzen des alten Frankreichs streiten sich umdie Ehre, das beste Geflügel hervorzubringen: Caux, Mansund die Bresse.
Hinsichtlich der Kapaunen herrschen Zweifel; derjenige,den man gerade unter der Gabel hat, wird immer der bestesein, — aber hinsichtlich der Poularden hat die Bresse ge-wiss den Vorzug. Die feinen Poularden von dort sind rundwie ein Aepfeichen und es ist wahrlich schade, dass sie nurselten und meist nur als Weihgeschenke nach Pariskommen *).
*) Diese so wie viele andere Klagen über die Seltenheit man-cher Dinge in Paris oder an anderen Orten aus mangelhaftenCoininunicationsmitteln haben jetzt keinen Grund mehr, seitdemEisenbahnen überall hin gehen. Es kann den Bewohnern derBresse mit ihren Poularden und den Schwarzwäldern mit ihrenllehziemeril bald so gehen, wie den Kaufleuten von Hävre undunderen Seehäfen, die einen schönen Seefisch von Paris müssenkommen lassen, obgleich er bei ihnen gefangen wurde.
C. V.