Druckschrift 
Physiologie des Geschmacks oder Physiologische Anleitung zum Studium der Tafelgenüsse
Entstehung
Seite
49
Einzelbild herunterladen
 

Pflanzenstoffe.

49

Der Zucker, den man zu den Zeiten Ludwigs des Vier-zehnten nur bei den Apothekern fand, hat verschiedene ge-winnreiche Gewerbe hervorgerufen, wie die Kuchen- undZuckerbäcker, die Liqueur- und Naschwerkhändler.

Die süssen Oele stammen ebenfalls aus dem Pflanzen-reiche, sie sind nur in Verbindung mit anderen Substanzenessbar und müssen als eine Würze betrachtet werden.

Der Kleber, den man vorzugsweise im Getreide findet,hilft mächtig zur Gährung des Brotes, von dem er einenTheil ausmacht; die Chemiker schreiben ihm fast eine thie-rische Natur zu.

In Paris bereitet man für die Kinder und für die Vö-gel, in einigen Departementen auch für die Menschen, einbesonderes Backwerk, worin der Kleber überwiegt, da maneinen Theil des Stärkemehls durch Wasser ausgewaschenhat.

Der Schleimstoff verdankt seine Nährkraft nur den ver-schiedenen Substanzen, die ihm beigemengt sind.

Das Gummi kann nöthigenfalls ein Nahrungsmittel wer-den, was nicht auffallen kann, da es fast dieselbe Zusam-mensetzung hat, wie der Zucker.

Der Pfianzenleim, den man aus verschiedenen Früchten,namentlich aus Aepfeln, Johannisbeeren und Quitten ge-winnt, kann ebenfalls als Nahrungsstoff dienen; mit demZucker verbunden, dient er hierzu noch besser, doch immerin geringerem Maasse als der thierische Leim, den man ausKnochen, Hörnern, Kalbsfüssen und Hausenblase bereitet.Diese Nahrung ist im Allgemeinen leicht, heilsam und be-sänftigend. Küche und Speisekammer bemächtigen sichihrer und streiten sich darum *).

*) Die hier gegebene Eintheilung der dem Pflanzenreich ent-nommenen Nahrungsstoffe kann dem heutigen Stande der Wissen-schaft nicht mehr genügen. Diesem zufolge kann man folgendeClassen von pflanzlichen Nahrungsstoffen unterscheiden:

1. Fettbildner, wozu das Stärkemehl, der Zucker, das Stärke-gummi gehören;

Brillat -Savarin, Physiologie des Geschmacks. 4