Grosse Appetite. 39
brühe zu trinken, um den Magen zu trösten; und dann zehnbis fünfzehn Minuten zu warten, sonst wird das zusammen-gezogene Organ unter der Last der Speisen, die man ihmaufbürdet, erdrückt*).
Grosse Appetite.
25. Wenn man in den alten Büchern von den Vorbe-reitungen liest, die man machte, um zwei oder drei Leutezu empfangen, oder von den ungeheuren Portionen hört,die man einem einzigen Gaste vorstellte, so muss man wohlglauben, dass die Menschen, welche der Wiege der Weltnäher standen als wir, auch einen viel grösseren Appetitbesassen.
Man hielt dafür, dass der Appetit um so grösser seinmüsse, je vornehmer der Gast war und derjenige, dem manden ganzen Rücken eines fünfjährigen Ochsen vorstellte,musste auch aus einem Becher trinken, den er kaum zu he-ben vermochte.
Seither haben einzelne Menschen gelebt, die von früherGeschehenem Zeugniss geben konnten und die Bücher sindvoll von Beispielen einer unglaublichen Gefrässigkeit, diesich auf Alles, selbst auf die ekelhaftesten Dinge erstreckte.
Ich erlasse meinen Lesern diese oft widrigen Einzelhei-ten und ziehe es "vor, ihnen zwei Fälle zu erzählen, vondenen ich Zeuge war und die keinen allzu starken Köhler-glauben verlangen.
*) Die Untersuchungen Schiffs haben nachgewiesen, dass einegewisse Periodicität in der Magenthätigkeit herrscht, so dass diesesOrgan nur zu bestimmten Zeiten den verdauenden sauren Magen-saft absondert. Geht diese Zeit vorüber, ohne dass das Bedürf.niss befriedigt wird, so werden die in den Magen gelangendenSpeisen, trotz dessen vorgängiger Leere, nicht veidaut — es seidenn, dass durch zweckmässige Reizung der Magenwände die Ab-sonderung des Verdauungssaftes hervorgerufen werde.
C. V.