Druckschrift 
Physiologie des Geschmacks oder Physiologische Anleitung zum Studium der Tafelgenüsse
Entstehung
Seite
30
Einzelbild herunterladen
 

30

Definition.

Theorie ab, die den ganzen Menschen und den ganzenbelebungsfähigen Theil der Schöpfung unifasst.

Während dieses in den Studirzimmern der Gelehrtenstattfand, sagte man in den Salons ganz laut, dass die Wis-senschaft, welche die Menschen nährt, wenigstens ebensovielwerth sei als diejenige, die ihn zu tödten lehrt. Die Dich-ter besangen die Vergnügungen der Tafel und die Bücher,welche von einer guten Küche handelten, gewannen an Tiefeder Ansichten und an Allgemeinheit ihre Grundsätze.

Alle diese Umstände gingen der Erscheinung der Ga-stronomie voraus.

Definition der Gastronomie.

18. Die Gastronomie ist die wissenschaftliche KenntnissAlles dessen, was zum Menschen, insoweit derselbe sich er-nährt, in Beziehung steht.

Ihr Zweck ist, über die Erhaltung der Menschen zu wa-chen und ihnen die möglichst beste Nahrung zu verschaffen.

Sie erreicht diesen Zweck, indem sie nach festgesetztenGrundsätzen diejenigen leitet, welche die Dinge aufsuchen,liefern oder zubereiten, die in Nahrungsmittel verwandeltwerden können.

In Wahrheit setzt also diese Wissenschaft alle Acker-bauer, Weinbauer, Fischer, Jäger, sowie die zahlreichenKöche in Bewegung, welches auch das Amt oder der Standsei, unter welchem sie ihre Beziehung zu der Bereitung derNahrungsmittel verbergen.

Die Gastronomie hat Beziehungen:

Zur Naturgeschichte — durch die Classification derNahrungsstoffe;

zur Physik — durch die Untersuchung ihrer Eigen-schaften;

zur Chemie — durch die verschiedenen Analysen undZersetzungen, welchen sie unterworfen werden;

zur Küche — durch die Kunst, die Speisen zu bereitenund sie dem Geschmack angenehm zu machen;