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Physiologie des Geschmacks oder Physiologische Anleitung zum Studium der Tafelgenüsse
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Feinheit des Geschmackes.

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Manche Thiere haben zwar eine weit grössere Zunge,einen entwickelteren Gaumen, einen weiteren Schlund; alleinnur deshalb, weil die Zunge als Muskel grössere Gewichtebewältigen, der Gaumen sie pressen, der Schlund grösserePortionen verschlingen muss. Man kann aus diesen Einzel-heiten nicht den Schluss ziehen, dass der Sinn des Geschma-ckes vollkommen sei.

Da ausserdem der Geschmack nur durch die Natur derEmpfindung bestimmt ist, die er dem Bewusstsein mittheilt,so kann die thierische Empfindung gewiss nicht der mensch-lichen verglichen werden. Diese letztere ist weit deutli-cher und schärfer und setzt deshalb auch nothwendig einehöhere Begabung des mittheilenden Organes voraus.

Was kann man überhaupt von einem Sinne mehr ver-langen, der solcher Ausbildung fähig ist, dass die römischenFeinschmecker einzig durch den Geschmack 'die zwischenden Tiberbrücken gefangenen Fische von denen zu unter-scheiden wussten, welche weiter unten im Strome gefangen,wurden? Kennen wir nicht heutzutage Leute, welche andem besonderen Geschmacke das Bein zu unterscheidenwissen, auf welchem das Feldhuhn im Schlafe ruhte?*).Sind wir nicht von Feinschmeckern umgeben, welche denBreitengrad, unter dem ein Wein wuchs, ebenso sicher anzu-geben wissen, als ein Schüler von Biot oderArago eine Fin-sterniss voraussagt?

Was folgt daraus? Dass man dem Kaiser geben soll,was des Kaisers ist, dass man den Menschen zum grossenFeinschmecker der Natur ausrufen muss und sich nicht ver-

*) „Schade, Excelleuz," sagte Talleyrand eines Tages zu Cambaceresbeim Verspeisen eines Rebhuhnes, „Schade! Es wäre vortrefflich,wenn es nicht in schlechter Gesellschaft gebraten worden wäre!"Genaue Nachforschung in der Küche Hessen allerdings entdecken,dass der Koch zu gleicher Zeit tut die Dienerschaft einen Schaf-schlegel an den Spiess gesteckt hatte. C. V.