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Physiologie des Geschmacks oder Physiologische Anleitung zum Studium der Tafelgenüsse
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Feinschmeckerei.

Die Thiere sind in ihren Genüssen beschränkt — dieeinen fressen nur Pflanzen, die anderen nur Fleisch; anderenähren sich ausschliesslich von Körnern; keins kennt diezusammengesetzten Geschmäcke.

Der Mensch im Gegentheil ist Allesesser *). Alles Ess-bare ist seinem weiten A2)petit unterworfen, nothwendig mussalso seine Schmeckfähigkeit dem allgemeinen Gebraucheentsprechen, den er davon machen soll. In der That hatdas Geschmacksorgan des Menschen eine ausserordentlicheVollkommenheit, und um uns davon zu überzeugen, wollenwir es bei seiner Arbeit betrachten.

Sobald ein essbarer Körper in den Mund eingeführtworden ist, bleibt er mit Säften und Gasen unwiederbring-lich confiscirt.

Die Lippen widersetzen sich seiner Rückkehr, die Zähnepacken und zermalmen ihn, der Speichel durchfeuchtet ihn,die Zunge mengt und dreht ihn, eine Zugbewegung schiebtihn in den Rachen, die Zunge hebt sich um ihn hinabglei-ten zu lassen, das Riechorgan empfindet ihn beim Durch-gang und nun stürzt er in den Magen, wo er weitere Ver-änderungen erleidet. Während dieses ganzen Vorgangesist nicht ein Stückchen, ein Tröpfchen oder ein Atom derSchmeckkraft entgangen.

Eben dieser Vollkommenheit wegen gehört auch dieFeinschmeckerei allein dem Menschen an.

Die Feinschmeckerei ist sogar ansteckend und wir thei-len sie leicht den Thieren mit, welche wir zähmen und diein unserer Gesellschaft leben, wie z. B. die Elephanten,Hunde, Katzen und selbst die Papageien.

als Greiforgan, nicht als Geschmacksorgan entscheiden. SolcherBewegungen, wie sie die Zunge einer Giraffe oder eines Amei-senbären z. B. ausführen kann, wird die menschliche Zunge niefähig sein. C. V.

*) Schweine sind auch Allesfresser von Natur und viele Haus-thiere werden es durch Erziehung. C. V.

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