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Physiologie des Geschmacks oder Physiologische Anleitung zum Studium der Tafelgenüsse
Entstehung
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Zungenbewogungen. 23

fliegenden Geschöpfen der Mensch dasjenige ist, welches denvollkommensten Geschmack besitzt.

Dieser Glaube wird ernstlich bedroht.

Dr. Gall behauptet, gestützt auf Gott weiss welche Un-tersuchungen , dass es Thiere gibt, deren Geschmackorganbesser entwickelt und somit vollkommener ist als dasjenigedes Menschen.

Diese Lehre schmeckt nach Ketzerei.

Der Mensch, von Gottes Gnaden König der Natur, zudessen Nutzen die Welt bedeckt und bevölkert wurde, mussnothwendigerweise auch ein Organ besitzen, das ihn mitallem Schmackhaften, was nur irgend bei seinen Untertha-nen gefunden werden kann, in Beziehung setzt.

Die Zunge der Thiere geht nicht über das Bereich ihrerIntelligenz hinaus. Bei den Fischen ist sie nur ein beweg-licher Knochen; bei den Vögeln meist ein häutiger Knor-pel; bei den Säugethieren ist sie häufig mit Schuppen undZotten besetzt und kann keine Windungsbewegungen aus-führen.

Durch die Zartheit ihres Baues und der verschiedenenMembranen, welche sich in ihrer Umgebung finden, zeigtdie Zunge des Menschen im Gegentheile die Wichtigkeit derOperationen, denen sie vorsteht.

Ich habe an ihr ausserdem wenigstens drei Bewegun-gen entdeckt, welche die Thiere nicht besitzen, und dieich die Spication (von spica, die Aehre), die Rotationund die Verrition (von ferro, ich kehre) nenne. Bei derersten Bewegung drängt sich die Zunge wie ein Aehren-kolben (spica) durch die geschlossenen Lippen; bei derzweiten bewegt sich die Zunge radförmig (rotu) in demRäume zwischen den Wangen und dem Gaumen, bei derdritten krümmt sich die Zunge nach oben und unten und kehrtdie Theile zusammen, welche in dem halbkreisförmigen Ca-nale zwischen den Lippen und dem Zahnfleische bleiben*).

*) Die Beweglichkeit der Zunge kann nur über ihre Ausbildung