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Physiologie des Geschmacks oder Physiologische Anleitung zum Studium der Tafelgenüsse
Entstehung
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Geschmacksempfindung.

8. Man hat fünf oder sechs Ansichten üher die Art,wie die Geschmacksempfindung erzeugt wird, ich habe diemeinige, hier ist sie:

Die Geschmacksempfindung ist eine chemische Operationauf nassem Wege, wie wir früher zu sagen pflegten, d. h.die schmackhaften Theilchen müssen in irgend einer Flüs-sigkeit gelöst sein, um von den Nervenschlingen und Wäi z-chen, welche das Innere des Geschmacksorganes auskleiden,aufgenommen werden zu können.

Dies System, mag es nun neu sein oder nicht, stütztsich auf physische und fast handgreifliche Beweise.

Das reine Wasser erregt keine Geschmacksempfindung,weil es keinen schmeckbaren Körper enthält. Man löse einKörnchen Salz oder ein Tröpfchen Essig darin auf und dieEmpfindung wird stattfinden.

Alle anderen Getränke dagegen erregen eine Empfindung,weil sie nur Lösungen sind, die mit schmeckbaren Theilenmehr oder minder gesättigt wurden.

Wenn man auch den Mund mit feinen Theilchen einesunlöslichen Körpers anfüllte, so würde doch die Zunge nurTast-, aber keine Geschmacksempfindung haben.

Was die festen, schmackhaften Körper betrifft, so müssendiese von den Zähnen vertheilt und von dem Speichel und

nesnerv, der Zungeiischlundkopfnerv (Nervus glossopharyngeus) sichbegibt, vorzugsweise schmeckt, dass aber auch andere Theile derZunge und besonders die Ränder schmecken, weniger die mittlereGegend der vorderen Zungenhälfte, gar nicht die Unterseite unddie Wangen. Dagegen scheinen die Gaumenbögen und der hin-tere Theil der Rachenhöhle allerdings Geschmacksempfindungen zuvermitteln. Zu den Geschmacksempfindungen der vorderen Zun-genhälfte scheint der Zungenast des fünften Nervenpaares (Nervustrigeminus), der wesentlich Empfindungsnerv der Zunge ist, eben-falls das Seinige beizutragen. C. V.