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Mechanik des Geschmackssinnes.
7. Es hält nicht leicht, den Sitz des Geschmackssinnesgenau zu bestimmen; der Bau des Organes ist verwickelter,als man glaubt.
Ganz gewiss spielt die Zunge die erste Rolle in dem Me-chanismus des Geschmackes. Da sie eine ziemlich freieBeweglichkeit besitzt, so rührt, wendet, drückt und ver-schluckt sie die Nahrungsmittel.
Ausserdem durchfeuchtet sie sich mittelst ihrer zahlrei-chen Wärzchen mit den löslichen und schmeckbaren Theilender Körper, mit welchen sie in Berührung kommt. Aberdas genügt nicht. Mehrere benachbarte Theile, wie dieWangen, der Gaumen und ganz besonders die Nasenhöhle,deren Antheil die Physiologen nicht gehörig hervorgehobenhaben, vervollständigen die Empfindung.
Die Wangen liefern den Speichel, der zum Kauen undzur Bildung des Bissens so uöthig ist; sie und der Gaumensind gewiss mit einem Theil Geschmacksempfindung ausge-rüstet; ich bin sogar nicht sicher, ob nicht in gewissen Fäl-len das Zahnfleisch ein wenig Antheil nimmt. Ganz gewissaber wäre ohne den Geruch, der im Bachen empfundenwird, der Geschmack nur höchst unklar und unvollkommen.
Menschen, die ohne Zunge geboren wurden oder wel-chen sie abgeschnitten wurde, besitzen noch einige Ge-schmacksempfindung. Fälle der ersteren Art finden sich inallen Büchern; der zweite Fall wurde mir durch einen ar-men Teufel bestätigt, welchem man in Algier die Zungezur Strafe abgeschnitten hatte, weil er mit einigen Mitskla-ven einen Fluchtversuch gemacht hatte. Ich traf diesenMann in Amsterdam, wo er seinen Unterhalt als Packträgerverdiente und da er einige Bildung genossen hatte, sokonnte man sich schriftlich mit ihm verständigen.
Nachdem ich durch die Untersuchung bestätigt hatte,dass ihm der ganze Vordertheil der Zunge bis zum Band-