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Physiologie des Geschmacks oder Physiologische Anleitung zum Studium der Tafelgenüsse
Entstehung
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2 Thätigkeit der Sinne.

Und doch hat die Empfindung, deren Sitz er ist, nichtsmit dem Tastgefühl überein; der Apparat, der ihm dient,ist ebenso vollständig als der Mund oder die Augen, unddas Merkwürdigste daran ist, dass, obgleich jedes GeschlechtAlles besitzt, was zur Hervorbringung der Empfindung nö-thig ist, dennoch beide Geschlechter sich vereinigen müssen,um den Zweck zu erfüllen, welchen die Natur sich vorsetzt.Wenn aber der Geschmack, der die Erhaltung des Indivi-duums zum Zwecke hat, unzweifelhaft ein Sinn ist, so müs-sen auch die Organe, welche der Erhaltung der Art dienen,als Sinnesorgane betrachtet werden.

Gönnen wir also dem Geschlechtssinne den Platz, derihm gebührt und überlassen wir es unsern Neffen, ihmseinen Rang anzuweisen*).

Thätigkeit der Sinne.

2. "Wenn wir uns durch die Einbildungskraft in dieersten Augenblicke des menschlichen Geschlechtes zurück-versetzen dürfen, so können wir glauben, dass die erstenSinnesempfindungen unmittelbar waren, d. h. dass man ohneSchärfe sah, undeutlich hörte, ohne Wahl roch, ohne zukosten ass und mit Brutalität genoss.

Da aber alle diese Empfindungen die Seele, jenes spe-cielle Attribut der Menschengattung, jene stetige Ursacheder Vervollkommnung zum Mittelpunkte hatten, so wurden

*) Die neuere Physiologie hat sich mit diesen Ansichten Bril-lat-Savarin's durchaus nicht einverstanden erklären können. DasGefühl, oder besser der Hautsinn, ist nicht nur an einzelnen Stel-len der Körperoberfläche verschieden ausgebildet, sondern fasstauch verschiedene Empfindungen in sich, die man ebenso, wie dasWollustgefühl, verschiedenen Sinnen zuschreiben müsste, wie z. B.dem Drucksinn, dem Wärmesinn. Der empfindende Apparat, derin den Nervenwärzchen der Haut liegt, ist an den Gesehlechts-theilen nicht anders gebaut, als in der übrigen Haut und geradein dem specifischen Bau des empfindenden Apparates liegt ja, wieuns die mikroskopische Anatomie lehrt, auch die besondere Unter-scheidung eines Sinnesorganes. C. V.

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