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Physiologie des Geschmacks oder Physiologische Anleitung zum Studium der Tafelgenüsse
Entstehung
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Wir traten in ein kleines Restaurant auf der Insel, woman kaum noch so späte Gäste erwartete. Aber im Augen-blicke loderte in einem sogenannten preussischen Kamine(man nennt sie so, weil sie in Preussen gänzlich unbekanntsind) ein flackerndes Feuer, das uns so wohlthuend schien,dass Sie schworen, Sie müssten in Ihrem Rauchzimmer einsolches haben. Leider habe ich noch nicht persönlich unter-suchen können, ob Sie diesen Schwur erfüllt haben.

Die alte Köchin erschien selbst. Sie liebte die Mitgliedereiner kleinen Gesellschaft, zu der auch ich gehörte, der so-genannten „Rödeuse", die regelmässig am Freitag Abendsich bei ihr versammelte und unter dem Vorsitze Fazy's,des Vielverkannten, ein classisches Abendessen einnahm,gewürzt mit attischem Salz und lebhaften Discussionen überdie Revolution im Allgemeinen und die von Genf im Beson-deren. Das Reglement dieser Gesellschaft bestand aus einemArtikel: „Keiner darf die Meinung des Andern haben!"und man hätte wahrlich glauben sollen, sie sei nur ausDeutschen zusammengesetzt, so unverbrüchlich wurde dieserArtikel gehalten.

„Wir haben nicht viel," sagte Andriette. „Die Fischesind ausgegangen, aber es gibt noch vortreffliche Hammel-coteletten aus der Normandie, die auf dem Roste gebraten,schnell fertig sein können, vielleicht auch eine Schnepfe undweisse Trüffeln aus Piemont, aus denen Sie sich einen Salatä la Rossini machen können." „Wenn Sie uns eine Flaschevon unserm St. Julien dazu geben wollen," antwortete ich,„so würde Brill at - Savarin selbst gegen unser Soupernichts einzuwenden haben."

Ein kleiner Tisch wurde für uns frisch gedeckt; derkrystallhelle Rothwein perlte im Glase, die Coteletten mit hartgerösteter Rinde, blutend und saftig-weich im Innern, ström-ten ihren kräftigen Duft aus, und wurden so ausgezeichnetbefunden, dass wir den Verlust der Schnepfe nicht beklagten,die unterdessen einem andern Spätgaste zur Beute gewordenwar. Dann erschienen die weissen Trüffeln, kunstgerecht