Jedenfalls durfte als feststehend anzunehmen »ein, dasa es, selbst mich reiflichster Erwägung undPrüfung eines solchen Systems durch eine, für jeden betreffenden Landestheil aus hervorragenden Fachmännerndes Eisenbahnwesens, der Industrie und der Landwirtschaft zusammengesetzte, gemischte Commission, undnach Feststellung eines übersichtlichen, genauen und detaillirten Planes für ^>'\\ Modus seiner Eiuftihrung,nicht gelingen werde, dasselbe vor dem 1. Januar 1878, und vielleicht selbe! dann noch nicht, in praktischeWirksamkeil treten zu lassen.
7. Was aber soll inzwischen aus der Industrie und dem Verkehr des Landes werden V — Wie isldem erschreckenden Niedergang auf allen Qebieten des vaterländischen Gewerbefleisses, wie dem darausfolgenden Ruin ein Ziel eu setzen V
Wie ist die deutsche Bisen- und Stahlindustrie, nach Aufhebung des bis zum 1. Januar er. von fremdenEisen- und Stahlfabrikaten erhobenen, massigen Eingangszolles, conourrenzfäkig zu erhalten? oder, wie ist dasbisherige Absatzgebiet i"\'\r Kohle, Kokes, Bisen und andere [ndustrieerzeugnisse Deutschlands auch ferner zubehaupten?
Die einstimmige Antwort aller Praktiker lautet auf diese Fragen dahin:
Durch Verminderung der Selbstkosten; denn von einer Erhöhung der Verkaufspreiseksimi gar Keine Rede sein.
Den Bauptfaotor in den Selbstkosten bilden nun aber, wie „usque ad nauseam" erwiesen, die Traus-portkosten und gerade diese sind es, welche der 20°/oige Tarifzusohlag des Jahres 1874 noch mein'erhöht hat!
s. Die vorstehenden Fragen und ihre Beantwortung beweisen daher bezüglich des Tarifweseus aufsschlagendste die Notwendigkeit nicht allein:
ii. sofortiger Umkehr eu dem Status quo antesondern auch, in Gemeinschaft mil der Aufhebung der massigen BisenzölleI). eines sorgfältigen Studiums der bestehenden Tarifsätze.
Soll aber überhaupt dem fortschreitenden Verderben Einhalt geboten werden, bo muss beidessofort geschehen, ohne erst das Zustandekommen eines neuen Tarifsystems abzuwarten; damit derVerkehi' zunächst auf der Basis des bestehenden Systems eine Reorganisation erfahre, und diiTarife durch Reduction auf solche Sätze gebracht werden, wie sie der zu transportirende Artikel,seinem Verkaufspreise am Bestimmungsorte nach, überhaupt zu trauen Rthig ist.
!>. Dies ist der praktische Weg, auf welchem das Comite für Ausfuhr Westfälischer Kohle und Kokesim verflossenen Jahre vorgegangen ist (und auf welchem es sieh der Unterstützung des Königlichen Handels-ministeriums und anderer Behörden, sowie des Einverständnisses der Bisenbabnverwaltungen Norddeutschlaudszu erfreuen hatte), um eine Ausdehnung <\rs Absatzgebietes bis zu den Nord- und Ostseehäfen und von diesenaus eine Ausfuhr beregter Artikel herbeizuführen.
Schon in den Jahren 1874 und 75 wurde diesseits eine Ermässigung der Tarifsätze nach deu Seehäfenaugestrebt und Einiges in dieser Beziehung erreicht. Zum völligen Durohbruoh bei allen Betheiligten gelangtedie Ueberzeugung von der Nothwendigkeit dieser Reform jedoch erst dann, als im Mai 1875 eine Karte her-gestellt und verbreitet wurde, welche iu graphischer Darstellung die Seefrachten von England nach den con-tinentalen Nord- und Ostseehäfen, ferner die bis dahin vom Westfälischen Kohlenrevier nach denselben Häfengültigen deutschen Eisonbahnfrachtsittze und endlich die von besagtem (iomite vorgeschlageneu Reduotionen
dieser Letzteren zur Anschauung brachte.
10. Bei der enormen Masse von Zahlen in den Tarifbüchern und den verchiedeneu Zuschlägen undNebengebühren zu den betreffenden Frachtsätzen ist es l n der Thal selbst den eigenen Beamten der Eisenbahnenkaum und auch diesen immerhin nur für ihre eigenen Linien) möglich, ein allgemeines Urtheil über die Zweck-mässigkeit bestehender Tarifsätze zu gewinnen, ohne eine solche graphische Darstellung zu Hülfe zu nehmen.
Wie viel grosser muss also diese Schwierigkeit, zumal wenn das ganze Land in Betracht kommt, für einen
Staatsmann, oder für den Produoenten und üonsumenten seiu!
Dennoch beruht auf diesen Tarifsätzen und deren Zweckmässigkeit nicht allein der Erfolg oder Miss-erfolg von Handel und Verkehr, sondern auch der wirkliche Erfolg und Gewinn der Eisenbahnen seihst, deren