Druckschrift 
Bibliothekarische Aufgaben zur Handschriftenerschliessung
Entstehung
Seite
61
Einzelbild herunterladen
 

MM

Bibliothekarische Aufgaben zur Handschriftenerschließung

61

Bibliotheken, von jeder Aufnahme, die hergestellt wird, einenAbzug für sich selbst zu fordern (wobei für die sog. Prismenauf-nahmen, d. h. Aufnahmen ohne Negativ, wohl allgemein still-schweigend Ausnahmen als Regel geduldet werden); um die be-sonderen Bedingungen, unter denen manchmal die Photographieüberhaupt erlaubt wird; schließlich um den Fortschritt derphotographischen Technik, die eine Anpassung der Bibliothekenan den Wunsch mancher Forscher, selbst zu photographieren,verlangt 98 . Dieser Fortschritt, der geeignet ist, mancherlei imBibliothekswesen umzugestalten, muß sorgfältig beobachtetwerden; der Kinofilm ermöglicht nicht nur dem Gelehrten dasSammeln ungezählter Handschriftenphotographien, er gibt auchden Bibliotheken die Möglichkeit, wertvolle Handschriften zureproduzieren, umfangreiche Stücke auf geringsten Umfang zubeschränken, oft sogar die Versendung zu ersetzen und zu ver-billigen. Die französischen Bibliotheken haben begonnen, aufdiese Technik ein großzügiges Reproduktionsunternehmen auf-zubauen". Es wird vielleicht für die Bibliotheken nötig werden,sich mit ihren Räumlichkeiten auf die Herstellung und Benut-zung gefilmter Handschriften umzustellen.

Daß es überhaupt Pflicht der Bibliotheken ist, durch ge-eignete Benutzungsräume die Erschließung der Handschriftenzu fördern, gilt selbstverständlich schon, ehe der Film die ebenangedeutete Bedeutung erlangt hat. Es kann nicht verlangtwerden, daß jede Bibliothek eigene Handschriftenbenutzungs-räume hat; aber jede kann den Handschriftenbenutzern be-sonders geeignete Plätze einräumen, die nicht unbedingt unterden Augen der Aufsicht liegen müssen, sondern ebenso auf dieLichtverhältnisse, wie auf die bequeme Greifbarkeit der ein-schlägigen Teile der Handbibliothek Rücksicht nehmen müßten.Für die Gestaltung dieser Handbibliothek könnte an manchenStellen noch viel verbessert werden es wäre kein Schade,wenn eine Standard-Liste der wichtigsten für diese Zwecke

98 0. Pretzl, Die Leica im Dienste der Handschriftenforschung, in: Zentral-blatt f. Bibliothekswesen 49, 1932, S. 182ff.

99 Societe' des fiditions sur Films des Bibliotheques Nationales de France,seit 1931. Daß die geplanten Ausgaben zum Teil überflüssig sind, die Reproduktionennicht allen technischen Wünschen entsprechen, ist in: Zentralblatt f. Bibliotheks-wesen 49, 1932, S. 298 von Wegener dargetan.

HKffiH

I

H9

m