I s ■■
öfti
1
§|-j$$£
ü
lllllll
1
ÄÄ^
1
HB
1
m
*l$lraP'
1
! '■ Hü ; g 8
•-:.
-' ...... ; ; .
I
| 8
I '.' '
■
56
Heinrich Schreiber
talogisierung der Handschriften — besteht ein gedruckter Kata-log noch nicht, so ist sie die wichtige Sammlung von Materialfür die Katalogbearbeitung und ein gewisser Ersatz für dennoch nicht vorhandenen Katalog; ist der Katalog schon fertig,so bildet die Bibliographie die laufende Ergänzung dazu, be-deutsam deswegen, weil die die Handschrift besitzende Biblio-thek als erste die Verpflichtung hat, den neuesten Wissensstandüber das ihr anvertraute Gut zu kennen und dem Benutzer mit-zuteilen; und es ist wohl kein Geheimnis, daß im Fall einesfertigen Handschriftenkataloges an manchen Stellen die Beob-achtung der einschlägigen Literatur von den Bibliotheken.noch mehr vernachlässigt wird — werden muß — als da, wo dieKatalogbearbeitung noch gar nicht in Aussicht steht. All diesevielerlei die Handschriftenerschließung fördernden Aufgabenwürden mit raschen Schritten ihrem Endziel nahegebrachtwerden können, wenn überhaupt einmal der Gedanke einer ein-heitlichen Bearbeitung dieser bibliothekarischen Pflichten in die
Tat umgesetzt ist.
*
An Nebenaufgaben, die sich bei solcher Behandlung dergroßen Aufgabe spielend erledigen lassen, ist kein Mangel; eineeinzige, die vielleicht mechanisch scheint und doch der Wissen-schaft, nicht nur dem Anfänger, große Dienste erweisen würde,sei noch angeführt: ein Verzeichnis der Codex-Namen. Es istja leider so, daß die Bezeichnungen einzelner Codicesfast stets nur für eine besondere Fachwissenschaft ohne weiteresverständlich sind 88a , für jeden Außenstehenden oft irreführend,mindestens in vielen Fällen unverständlich. Die Namen beziehensich auf Inhalt, Aussehen, frühere, heutige Besitzer, Einzelper-sonen, Bibliotheken, Städte — eine Unzahl von Beziehungenerscheint in diesen Namen, die ganze Vielgestaltigkeit desHandschriftenwesens spiegelnd. Die Fälle sind nicht selten, daßein Name für mehrere Handschriften gilt, daß eine Handschriftmehrere Namen hat 89 ; der Neuling auf dem Handschriftengebiet
88 a So wird die Mehrzahl der Benutzer von G. Baesecke: Lichtdrucke nach alt-hochdeutschen Handschriften, Halle 1926, dem nicht näher erklärten Cod. Jun. 25gegenüber über Vermutungen der Bibliotheksheimat nicht hinauskommen.
89 Diesen Wechsel der Bezeichnungen beklagt A. Zimmermann, Wochenschriftfür class. Philologie 1900, S. 1006, und Wilhelm Weinberger verlangt in seinen Stu-dien zur Handschriftenkunde, Progr. Iglau 1901, S. 13, Abhilfe.