im Ganzen wie im einzelnen Stück. Nicht Geschichte der Buchbinderund der Bucheinbände ist das Ziel dieser Forschung, sondern Ge-schichte des Einbandes in der Befolgung der Stilgesetze, denen erdauernd oder der Zeit angepaßt unterworfen ist. Eine solche ganzauf stilistischen Kriterien beruhende Interpretation des künstlerischenEinbandes der italienisch-französischen Blütezeit gelingt erstmaligder noch ungedruckten Dissertation von W. G. Fischer: „Die Blüte-zeit der Einbandkunst; stilgeschichtliche Studie über die Verzierungdes Ledereinbandes ..." (Leipzig 1930). Daß es beim Bucheinband umeinen Zweig der angewandten Kunst geht, dessen Gestaltung nichtfreier sein kann, als es Material und Zweckform erlauben, ist nicht vonAnfang an voll gewürdigt worden, und auch dieser Wechsel der Auf-fassung im Rahmen des Kunstgewerbes überhaupt verlangt die volleBeachtung des Einbandforschers bei seinen historischen Urteilen.Erst solche Schulung wird zur klaren Stellungnahme gegenüber demEinbandschaffen der Gegenwart befähigen; und dieses vor Irrwegenzu bewahren, ist eine der Hauptaufgaben der rückschauenden For-schung.
So betrachtet ist die Aufgabe der Einbandforschung ganz deutlichauch bei einem kleinen Teilgebiet: bei der Beurteilung von Einband-fälschungen. Eine Fälschung herzustellen, die einen auch nur einiger-maßen mit dem Wesen des Einbandes einer bestimmten Zeit ver-trauten Kenner täuschen könnte, verlangt einen so außerordentlicheinfühlenden Künstler, daß man eher diese Fähigkeit bewundern, alsdie Absicht verabscheuen sollte. Nur die ganz großen Stücke verloh-nen die auf eine Fälschung verwendete Mühe; aber gerade bei diesensind die Einzelheiten so bekannt, daß der Forscher bei scharfer Be-obachtung leicht hinter die Fälschung kommt. Ist es auch manchmalleicht möglich, die künstlerische Ausführung nachzuahmen, so kanndoch an Einzelheiten der Technik die geringste Unstimmigkeit aufden Betrug führen. Die Fälschung geschieht auch selten in der Weise,daß zu einem alten Buch ein Einband völlig neu hergestellt wird.Vielmehr werden ein alter Druck und ein alter Einband miteinanderverbunden, die gerade in dieser Verbindung besonderen Wert habenkönnen — und man kann im Zweifel sein, ob man solche historischberechtigte Remboitage als Fälschung betrachten soll —; oder einvorhandener Einband wird durch Hinzufügen weiterer Schmuck-
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